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Putz und Verputzen

Dämmputz: Verarbeitung, Anwendung & Kosten

Simone Blaß
Verfasst von Simone Blaß
Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2026
Lesedauer: 22 Minuten
© maskalin / istockphoto.com

Wer Wärmedämmung durchführen will, denkt meist zuerst an klassische Dämmplatten. Doch gerade bei verwinkelten Fassaden, Rundungen, Laibungen oder schmalen Durchgängen wird das schnell zur Herausforderung, denn Zuschnitte kosten Zeit, Anschlüsse werden kompliziert und an kritischen Stellen entstehen leichter Wärmebrücken oder Undichtigkeiten. Genau hier spielt Dämmputz seine Stärken aus. Dämmputz schließt diese Lücke, weil er sich wie eine durchgehende Schicht auftragen lässt, ohne Plattenstöße, ohne aufwendige Formteile. Er vereint Wärmeschutz und Putzoberfläche in einem System und kann damit dort sinnvoll sein, wo Plattenlösungen unpraktisch oder gestalterisch unerwünscht sind. Allerdings sollten Sie beachten, dass Dämmputz kein „einfach dicker Putz“ ist. Damit die Konstruktion dauerhaft funktioniert, müssen Materialwahl, Untergrund und Schichtaufbau präzise zusammenpassen. Entscheidend sind unter anderem Haftung und Ebenheit des Untergrunds, die erforderliche Mindestschichtdicke, ein passendes Armierungsgewebe sowie ein Oberputz, der Feuchte sicher abführt. Nur wenn diese Komponenten sauber aufeinander abgestimmt sind, entsteht ein bauphysikalisch stimmiges Ergebnis ohne Risse, Feuchtigkeitsprobleme oder unnötige Wärmeverluste.

Alles auf einen Blick:

  • Dämmputz ist ein spezieller Dämm- und Putzstoff, der Dämmwirkung und Putzfunktion kombiniert.
  • Er unterscheidet sich von normalem Putz durch die Zugabe von leichten Zuschlägen oder Dämmstoffen, die die Wärmeleitfähigkeit reduzieren.
  • Im Vergleich zu einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist Dämmputz weniger dick und einfacher aufzubringen. Es gibt aber auch Einschränkungen hinsichtlich Dämmstärke und Leistungsfähigkeit.
  • Die Zusammensetzung umfasst zum Beispiel mineralische Bindemittel (Kalk oder Zement), Leichtzuschläge wie Perlit oder Blähton und gegebenenfalls synthetische Zusätze.
  • Bei der Verarbeitung sind Untergrundvorbereitung, Auftragen in ein oder mehreren Lagen, Trocknungs- und Standzeiten sowie Schutzmaßnahmen kritisch für die Qualität.

Was ist Dämmputz?

Dämmputz bezeichnet einen Putz mit integrierter Dämmfunktion. Der Putz reduziert dabei aktiv den Wärmeverlust durch das Bauteil. Im Unterschied zum normalen Kalkzementputz oder Gipsputz, der primär Unebenheiten ausgleicht oder ästhetische Funktion erfüllt, enthält Dämmputz als Wärmedämmung Materialien zur Verbesserung der Dämmwirkung. Er wird oftmals auch als „Wärmedämmputz“ bezeichnet und unterscheidet sich von den klassischen Dämmstoffen zur Wärmedämmung.

Wie viele Lagen sind erfoderlich und in welcher Dicke? 

Je nach Produkt und System kann Dämmputz in sehr unterschiedlichen Schichtdicken ausgeführt werden. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen üblichen Ausführungsdicken und der maximal zulässigen Systemdicke. In der Praxis werden häufig eher moderate Dicken gewählt, weil Anschlussdetails (Fensterlaibungen, Sockel, Dachüberstände), Trocknungszeiten, Gewicht und das Risiko von Spannungsrissen die Ausführung begrenzen. Größere Dicken sind zwar möglich, erfordern aber fast immer einen mehrlagigen Aufbau mit ausreichenden Standzeiten zwischen den Lagen und ein sauber abgestimmtes System aus Haft-/Vorspritz, Dämmputz, Armierung und Oberputz. Während bei vielen Anwendungen innen wie außen oft im Bereich weniger Zentimeter gearbeitet wird, nennen manche Systeme als obere Grenze auch Gesamtdicken von etwa 10 bis 15 Zentimetern. Das ist dann in der Regel nicht Standard, sondern die Systemobergrenze unter definierten Voraussetzungen:

  • mehrlagiger Auftrag,
  • passende Untergrundvorbereitung,
  • konsequente Armierung und
  • sorgfältige Detailausbildung.

Genau deshalb sollte die geplante Dicke nicht nur nach dem Motto „so viel wie möglich“ festgelegt werden, sondern anhand des energetischen Ziels realistisch geprüft werden. Aufgrund der begrenzten Wärmeleitfähigkeit von Dämmputz im Vergleich zu klassischen Dämmstoffen kann selbst eine große Dicke nämlich energetisch weniger bringen als erwartet. Entscheidend ist somit, ob die angestrebte Verbesserung mit den zulässigen Schichtdicken und den baulichen Randbedingungen tatsächlich erreicht wird und ob Dämmputz in diesem Fall wirklich die sinnvollste Lösung bleibt.

Was ist Aerogel-Hochleistungs-Dämmputz?

Aerogel-Dämmung ist im Kern normaler mineralischer Dämmputz, allerdings mit einem deutlich leistungsfähigeren Leichtzuschlag: Aerogel. Dadurch erreicht er eine wesentlich bessere Wärmeleitfähigkeit und kommt bei gleicher Dämmwirkung mit weniger Schichtdicke aus. Aerogel-Dämmputz wird gerne dort eingesetzt wird, wo Platz knapp ist (Laibungen, komplizierte Geometrien), während herkömmlicher Dämmputz eher dann passt, wenn ein paar Zentimeter mehr möglich sind und die Kosten eine größere Rolle spielen.

Aerogel ist ein Material, das aus speziellen, gelartigen Kügelchen besteht und als Dämmung oder Putz eingesetzt werden kann. Der Begriff mag hochtrabend klingen, fast wie etwas aus der Weltraumforschung, doch es handelt sich um einen Hochleistungsdämmstoff, der bereits in geringen Dicken eine hervorragende Dämmleistung von 0,022 W/(mK) und niedriger aufweist.

Wie funktioniert die Dämmwirkung im Putz selbst?

Die Dämmwirkung entsteht, weil die Leichtzuschläge und Poren im Material den Wärmefluss verlangsamen. Das heißt, dass die Wärme nicht so leicht durch das Material geleitet wird. Gleichzeitig dient der Putz als geschlossene Oberfläche, die Luftbewegungen innerhalb der Schicht reduziert. Bei Außenanwendung trägt das Material zudem zur Verringerung von Kältebrücken bei. 

Wie wird Dämmputz hergestellt?

Bei der Herstellung werden Bindemittel und Zuschläge in einem Produktionsprozess gemischt, sodass ein homogener Putz entsteht. Leichtzuschläge werden mit dem Bindemittel und Wasser zu einer Pasten- oder Mörtelmischung verarbeitet. Luftporenbildner können hinzugefügt werden, um die Anzahl und Größe von Poren zu steuern, was wiederum die Wärmeleit­fähigkeit beeinflusst. Laut Herstellerangaben darf die maximale Schichtdicke aus Stabilitätsgründen häufig nicht mehr als 10 bis höchstens 15 Zentimeter betragen, meist sogar darunter. 

Wie ist Dämmputz zusammengesetzt?

  • ein Bindemittel wie Kalk oder Zement
  • Leichtzuschläge wie Perlit, Blähglas, Blähton oder EPS-Kügelchen zur Reduzierung der Wärmeleitfähigkeit
  • Zusatzstoffe zur Porenbildung (Tenside oder Naturharzseifen), zur Verbesserung der Dämmwirkung und zur einfacheren Verarbeitung

Was unterscheidet Dämmputz von normalem Putz?

Normaler Putz dient vor allem dem Ausgleich von Unebenheiten, dem Schutz der Bauoberfläche und der Gestaltung. Dämmputz hingegen enthält Leicht- oder Dämmschichten, die aktiv Wärmeleiteigenschaften verringern. Während normaler Putz typischerweise Wärmeleitfähigkeiten im Bereich konventioneller Materialien aufweist, reduziert Dämmputz diese durch Zusatzstoffe wie Perlit, Blähton oder EPS-Kügelchen. Er ist damit funktional weitergehender als normaler Putz, damit aber auch in der Anwendung anspruchsvoller. Bei Innenwänden mit hoher Beanspruchung kann normaler Putz besser geeignet sein. Die Entscheidung für oder gegen Dämmputz sollte nicht nur nach den Wärmedämmeigenschaften getroffen werden, sondern muss immer auch die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Raumes berücksichtigen. Während in manchen Bereichen des Hauses die Wärmedämmung oberste Priorität hat, spielen in anderen Räumen Faktoren wie mechanische Belastbarkeit, Feuchtigkeitsresistenz oder schlicht die Raumgröße eine entscheidende Rolle.

Wodurch unterscheidet sich Dämmputz von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS)?

Ein klassisches Wärmedämmverbundsystem (WDVS) verwendet Dämmplatten (zum Beispiel EPS oder Mineralwolle) auf der Außenseite der Fassade, mit einer zusätzlichen Armierung und Außenputz. Im Gegensatz dazu wird Dämmputz direkt als Putzschicht auf die Wand aufgebracht und übernimmt somit die Dämm- sowie Putzfunktion in einem. WDVS erlaubt zumeist größere Dämmstärken, somit bessere Dämmleistung, bringt aber auch höhere Kosten und mehr baulichen Aufwand mit sich. Dämmputz bietet eine schlankere Lösung, etwa bei denkmalgeschützten Gebäuden oder dort, wo eine starke Vergrößerung der Wandstärke vermieden werden soll, erreicht aber typischerweise nicht dieselbe Leistung wie dickere Dämmplatten in klassischen Systemen.

Wie wird Wärmedämmputz verarbeitet? 

Dämmputz lässt sich sowohl manuell als auch maschinell verarbeiten. Bei größeren Flächen und Bauvorhaben empfiehlt sich die maschinelle Verarbeitung mit handelsüblichen Putzmaschinen, da sie wirtschaftlicher ist und einen schnelleren Baufortschritt ermöglicht. Allerdings ist dafür eine Spezialausstattung nötig. Diese Zusatzausrüstung verhindert, dass die leichten Zuschläge im Mörtel entmischt werden. Bei manueller Verarbeitung wird der Putz mit der Kelle angeworfen und anschließend mit einer Abziehlatte eben abgezogen und angedrückt. Die Oberfläche wird anschließend mit geeignetem Werkzeug strukturiert oder gekratzt. Wichtig ist, dass jede Lage während des Ansteifens aufgeraut oder aufgekämmt wird, damit die nächste Schicht optimal haftet.



Was bedeutet „Wärmeleitgruppe“ (WLG) bei Dämmputz?

Die Wärmeleitgruppe (WLG) ist eine Klassifizierung, die angibt, wie gut ein Dämmstoff Wärme leitet. Je niedriger der Wert, desto besser die Dämmwirkung. Bei Dämmputz wird dieser Wert ebenfalls angegeben, als λ-Wert. Ein Dämmputz mit WLG 035 bedeutet eine Wärmeleitfähigkeit von etwa 0,035 W/(m·K), also Wärme pro Quadratmeter Material und Temperaturunterschied in Kelvin. Hersteller geben solche Werte direkt an. Beim Vergleich verschiedener Produkte sollten Sie sowohl den WLG-Wert als auch die Ausführung (Schichtdicke, Anwendung außen/innen) beachten.

Welche Arten von Dämmputz gibt es?

Dämmputz-TypBeschreibungVorteileNachteile
mineralischer DämmputzAuf Basis von Kalk oder Zement, Leichtzuschläge wie Bims, Perlit oder Blähglas
  • Gute Diffusionsfähigkeit
  • Nicht brennbar
  • Begrenzte mechanische Belastbarkeit
EPS-DämmputzEnthält kleine Kügelchen aus expandiertem Polystyrol (EPS)
  • Sehr gute Dämmwirkung
  • Günstig
  • Geringere Diffusionsfähigkeit
  • Brennbar
Aerogel-DämmputzHigh-End-Putz mit sehr niedriger Wärmeleitfähigkeit (λ ≈ 0,03 W/m·K)
  • Beste Dämmleistung bei geringer Schichtdicke
  • Sehr teuer
  • Erfordert sorgfältige Verarbeitung
weitere SpezialtypenVarianten mit Hanf, Lehm oder Naturzuschlägen
  • Sehr gutes Raumklima
  • Ökologisch
  • Geringere Dämmleistung
  • Teils höherer Preis

Wählen Sie die Variante passend zur Anwendung (innen versus außen) und beachten Sie spezielle Eigenschaften wie zum Beispiel Brandschutz bei Außenwänden. Außen muss der Dämmputz vor allem witterungsbeständig sein und mit Schlagregen, Frost-Tau-Wechseln sowie UV-Belastung umgehen können. Außerdem braucht er ein stimmiges System aus Unterputz, Armierung und Oberputz, damit keine Risse entstehen und Feuchtigkeit sicher nach außen abgeführt wird. Innen stehen dagegen Aspekte wie Diffusionsverhalten und Feuchteregulierung (etwa in Küche oder Bad), mechanische Robustheit in stark beanspruchten Bereichen sowie die Eignung für den jeweiligen Untergrund im Vordergrund. Je nach Gebäude und Zielsetzung können zusätzliche Anforderungen entscheidend werden wie

  • nicht brennbare Systemkomponenten,
  • eine passende Baustoffklasse im Fassadenbereich,
  • Schallschutz, 
  • Salz- und Feuchtebeständigkeit bei problematischen Mauerwerken oder
  • eine erhöhte Oberflächenfestigkeit dort, wo Wände regelmäßig belastet werden.

Welche Vor- und Nachteile hat Dämmputz gegenüber anderen Dämmsystemen? 

VorteileNachteile
  • Dünnere Aufbauhöhe im Vergleich zu vielen Dämmplatten-Systemen (ideal bei begrenztem Raum oder Denkmalschutz)
  • Relativ flexibel in der Anwendung, insbesondere bei unregelmäßigen Flächen oder Nischen (Unebenheiten lassen sich besser ausführen)
  • Gute Kombination aus Dämmung und Putzfunktion in einer Schicht (Arbeitsgänge können reduziert werden)
  • Die maximale Schichtdicke ist begrenzt (10 bis 15 Zentimeter sind die Obergrenze)
  • Wegen Stabilitätsgrenzen im Vergleich zu klassischen WDVS-Systemen ist die Dämmwirkung oft geringer
  • Anwendung und Verarbeitung müssen sorgfältig erfolgen (fehlerhafte Ausführung kann die Wirkung stark beeinträchtigen)
  • Bei Gebäuden mit sehr hohen Dämmanforderungen (etwa Passivhausstandard) genügt Dämmputz allein oft nicht, eine stärkere Dämmmaßnahme ist erforderlich

Wo wird Dämmputz eingesetzt? 

Dämmputz kommt sowohl im Neubau als auch in der Sanierung zum Einsatz:

  • Außenwände von Altbauten, insbesondere bei denkmalgeschützten Objekten, bei denen ein WDVS nicht oder nur eingeschränkt möglich ist
  • Innenräume mit vielen Anschlüssen, Ecken oder Nischen, bei denen Plattendämmung schwierig wäre
  • Fassadenflächen, bei denen die Aufbauhöhe begrenzt ist oder das Erscheinungsbild erhalten bleiben soll


Dämmputz innen: Was ist zu beachten?

Bei der Innendämmung kommt es darauf an, einen Dämmputz zu wählen, der diffusionsoffen und schadstoffarm ist, damit das Raumklima stabil und angenehm bleibt. Bewährt haben sich zum Beispiel Lehm-Dämmputze mit Zuschlägen wie Hanf oder Bims. Ebenso entscheidend ist die saubere Ausführung der Anschlüsse an Fenster, Türen und bestehende Bauteile, denn nur wenn diese Details korrekt ausgebildet sind, lassen sich Wärmebrücken und Feuchteprobleme zuverlässig vermeiden. Voraussetzung für eine dauerhafte Lösung ist zudem ein trockener, tragfähiger Untergrund. Bei Feuchtigkeit, losen Altputzen oder mangelnder Festigkeit ist eine entsprechende Vorbehandlung notwendig.

Ein zusätzlicher Vorteil kapillaraktiver Systeme liegt im Umgang mit Tauwasser. Diese Materialien können anfallende Feuchtigkeit aufnehmen, in der Fläche verteilen und anschließend wieder an den Innenraum abgeben. Dadurch bleibt der Feuchtetransport in beide Richtungen möglich, sodass sich Wasser nicht punktuell anreichert und das Schimmelrisiko sinkt. Dämmputze und kapillaraktive Faserdämmstoffe sind deshalb für die Innendämmung oft besonders geeignet. Im Unterschied dazu können starre Dämmplatten wie Polystyrol kondensierte Feuchtigkeit aufgrund ihrer hydrophoben Eigenschaften nur eingeschränkt abführen, das Wasser bleibt eher „stehen“, während es bei Dämmputzsystemen im Materialverbund weitertransportiert und wieder abgegeben werden kann.

RaumtypBeanspruchungDämmputz sinnvoll?BegründungEmpfehlung
Flure/Dielen/Treppenhäuserhochbedingt
  • Hohe Stoß-/Abriebbelastung
  • Viele Berührungen
  • Dämmung meist nur an Außenwandabschnitten sinnvoll
  • Wenn Außenwand: Dämmputz mit Armierung und robustem Oberputz, ggf. Sockelschutz/Wandschutzleisten
  • Sonst normaler robuster Kalkzementputz
Sehr kleine Räume (z. B. WC, Mini-Abstellkammer)mitteleher nein
  • Flächenverlust kann unverhältnismäßig sein
  • Nutzen oft gering bei wenig Außenwandfläche
  • Wärmebrücken gezielt behandeln (Laibungen/Nischen) oder dünne Innendämmlösung nur lokal
  • Sonst normaler Putz
Abstell-/Vorratsräumemittel bis hochbedingt
  • Stoßgefahr, aber häufig kalt
  • Außenwand kann Kondensat begünstigen
  • Dämmung kann Oberflächentemperatur erhöhen
  • Wenn Außenwand und kühl: Dämmputz mit robuster Decklage
  • Alternativ Dämmputz im angrenzenden Wohnraum und Wärmebrücken/Laibungen mitbehandeln
Küchenhoch (Reinigung/Spritzwasser)bedingt
  • Reinigungsfähigkeit und Feuchte-/Spritzwasserzonen sind entscheidend
  • Dämmputz nur außerhalb von Spritzwasser-/Fliesenbereichen und mit geeigneter Oberfläche (robuster Oberputz/Anstrich)
  • In Spritzbereichen Fliesen/Paneel und normaler Putz darunter
Kinder-/Spielzimmerhoch im unteren Bereichbedingt
  • Dämmung an Außenwänden komfortabel unten, aber stoßintensiv
  • Durchgehend Dämmputz an Außenwand und Armierung
  • Unten mechanischer Schutz (Sockelzone robuster, Wandschutzleisten); muss konstruktiv gelöst werden
Schlafzimmerniedrigja
  • Geringe mechanische Belastung
  • Komfortgewinn an Außenwänden oft spürbar
  • Dämmputz v. a. an Außenwänden
  • Auf sauberen Wandaufbau/Feuchtekonzept achten
Wohnräume (Wohnen/Essen/Büro)niedrig bis mittelja
  • Komfort an Außenwänden oft
  • Gute Flächenverfügbarkeit
  • Moderate Beanspruchung
  • Dämmputz an Außenwänden, ggf. in Kombination mit robustem Oberputz
  • Kritische Details: Laibungen, Rollladenkästen, Anschlüsse
Heimwerkstatt/Hobbyraumsehr hocheher nein
  • Hohe Stoß-, Abrieb- und Punktlasten
  • Robuster Kalkzement-/Zementputz
  • Falls Außenwandkälte ein Thema: Dämmung eher anders lösen (z. B. Platten hinter Werkbänken)
Keller (Nutzkeller)hoch + ggf. feuchtebelasteteher nein
  • Oft Feuchte/Salz/Temperaturgefälle entscheidend
  • Falsche Innendämmung kann Probleme verschärfen
  • Wenn Kellerwand trocken und geeignet: spezielles System (Sanier-/Innendämmsystem) planen
  • Sonst robuster Putz (ggf. Sanierputz)
Garage/Fahrradraumextrem hochnein
  • Sehr hohe mechanische Belastung
  • Verschmutzung
  • Robuster Putz/Betonoberfläche
  • Ggf. Sockelschutz, Anfahrschutz, Plattenbeläge

Dämmputz außen: Was ist zu beachten?

Bei Außenwänden sind die Anforderungen an die Dämmmaßnahme deutlich höher. Der Dämmputz muss Wind und Wetter zuverlässig standhalten und ohne tragfähigen, passenden Untergrund funktioniert das System auf Dauer nicht. Ebenso entscheidend sind sauber ausgeführte Details, gerade dort, wo Bauteile aufeinandertreffen. Hinzu kommt: Weil die mögliche Schichtdicke begrenzt ist, bleibt auch die Dämmwirkung begrenzt. Umso wichtiger ist eine ehrliche Prüfung, ob sich mit Dämmputz das energetische Ziel überhaupt erreichen lässt oder ob eine andere Lösung sinnvoller ist. Achten Sie außerdem darauf, dass das gewählte System die geforderten Eigenschaften für Fassade und Gebäudeklasse erfüllt, insbesondere beim Brandschutz und bei der Witterungsbeständigkeit. Kritisch sind vor allem die Anschlüsse. Fensterlaibungen, Dachüberstände und der Sockelbereich müssen so geplant und ausgeführt werden, dass keine Feuchtigkeit eindringt und keine Wärmebrücken entstehen. Gerade an diesen Punkten entscheidet sich, ob die Fassade langfristig schadensfrei bleibt.

Wie bereitet man den Untergrund für Dämmputz vor? 

 Dämmputz innenDämmputz Fassade
Bestandsaufnahme
  • Tragfähigkeit prüfen (Klopf-/Kratzprobe)
  • Risse beurteilen
  • Feuchtequellen (z. B. Bad, Küchenanschlüsse) klären
  • Schlagregen-/Spritzwasserzonen feststellen
  • Risse beurteilen
  • Frost-/Tauwechsel beachten
  • Algenbefall kontrollieren
  • Aufsteigende Feuchtigkeit prüfen
Lose Schichten entfernenLose Anstriche/Tapeten entfernen, nicht tragfähigen Altputz vollständig wegmachenAbplatzenden Putz, dichte Beschichtungen und hohl liegende Bereiche konsequent abtragen
ReinigungOberfläche muss staub- und fettfrei sein, ggf. feucht abwischen und trocknen lassenSchmutz, Algen und Moose entfernen (inkl. geeigneter Vorbehandlung), Baustellen- und Umweltschmutz beseitigen, Untergrund muss vor dem Auftrag trocken sein
Feuchtigkeit & SalzeKeine dauerhafte Durchfeuchtung bei Salzen/Schäden; zuerst Ursache sanierenSockelabdichtung/Entwässerung klären; salz- und feuchtebelastete Zonen nicht überputzen, sondern sanierungstechnisch lösen
AusbesserungenFehlstellen schließen, größere Unebenheiten vorab ausgleichen (Dämmputz nicht als Ausgleichsmasse verwenden)Ebenheit wichtig für gleichmäßige Schichtdicke; Ausbrüche, Fugen, schadhafte Bereiche fachgerecht reparieren; bei stark unebenen Flächen Vorputz/Ausgleich
Saugverhalten einstellenSystemgerechte Grundierung, glatte Flächen aufrauenFokus auf gleichmäßiges Anziehen und Haftung; bei Witterung häufig Spritzbewurf/Haftbrücke zwingend; Untergrund darf nicht zu trocken, aber auch nicht nass sein
Haftgrund/SpritzbewurfJe nach Untergrund: Haftbrücke bei Beton/glatten Altputzen, Spritzbewurf bei kritischen Untergründen möglichSpritzbewurf/Vorspritzmörtel als Haftvermittler und Saugregulator, besonders bei Mischmauerwerk und glatten/verdichteten Flächen
Risse, Übergänge, MischuntergründeRisse bewerten (statisch/arbeitend); Übergänge (Beton–Mauerwerk) wenn notwendig mit Gewebezone/Armierung vorbereitenÜbergänge und rissgefährdete Bereiche konsequent armieren; Bewegungsfugen übernehmen, nicht überputzen
Details vorab vorbereitenAnschlussbereiche planen (z. B. Fensterlaibungen, Installationsschlitze, Anschluss an Decken/Böden); Ecken ggf. mit Eckschutz versehenAnschlussdetails sind Kernpunkt: Sockelabschluss, Fensteranschlussprofile, Tropfkanten, Dachüberstände; Spritzwasserzone und Wasserführung (keine Hinterläufigkeit) beachten
Armierung/Gewebe (Vorplanung)In belasteten Zonen (Flure, Treppenhaus) und an Öffnungen/Übergängen Armierungsschicht vorsehenArmierungslage mit Gewebe (systemabhängig) plus Zusatzarmierung an Ecken/Laibungen/Diagonalen (schützt vor Rissen und erhöht Robustheit)
KlimabedingungenRaumtemperatur/Belüftung sicherstellen; Zugluft vermeiden, aber Trocknung ermöglichen; ggf. Heizen/EntfeuchtenWetterfenster einhalten (keine Verarbeitung bei Regen, Frost, starker Hitze/Prallsonne); Schutznetze/Abdeckungen einplanen; ausreichende Standzeiten
Schlusskontrolle vor AuftragOberfläche muss fest, sauber, gleichmäßig saugend und ausreichend eben sein; Profile/Details müssen vorbereitet seinUntergrund muss trocken, sauber, eben und witterungsgeeignet vorbereitet sein; alle kritischen Anschlüsse und Wasserführungen müssen gelöst und Schutzmaßnahmen organisiert sein

Wie wird Dämmputz verarbeitet? [Schritt-für-Schritt-Anleitung]

  1. Vorbereitung des Untergrunds: Der Untergrund muss sauber, trocken, tragfähig und frei von losen Teilen sein. Flüssige Altverputze oder stark absorbierende Flächen sollten entfernt oder vorbehandelt werden. Unebenheiten über 10 Millimeter müssen vorher ausgeglichen werden. Eine Haftbrücke kann die Verbindung zwischen Altuntergrund und Dämmputz verbessern.
  2. Auftragen in ein oder mehreren Lagen: Einlagige Systeme oder Mehrlagenaufbau sind möglich. In der Regel erfolgt ein Aufbringen der Dämmputzschicht in einer einzigen Schicht mit einer Dicke von etwa 5 bis 10 Zentimeter bei Außenanwendungen. Bei Innenanwendungen kann die Dicke geringer sein. 
  3. Trocknungs- und Standzeiten zwischen den Schichten: Nach dem Aufbringen der ersten Schicht ist eine Standzeit für den Abbindevorgang einzuhalten, bevor die nächste Schicht folgt oder ein Oberputz aufgetragen wird. Die genauen Zeiten unterscheiden sich je nach Hersteller und Bedingungen (Feuchte, Temperatur), typischerweise mehrere Stunden bis Tage. Eine zu frühe Belastung der Oberfläche kann Rissbildung und Funktionsverlust zur Folge haben.
  4. Auftragen des Oberputzes und Abschlussarbeiten: Nach der Dämmputz­schicht wird ein Oberputz oder Feinputz aufgebracht, gegebenenfalls mit Gewebearmierung, um Risse zu vermeiden. Anschließend erfolgt eine Farb- oder Oberflächengestaltung. Anschlüsse wie Fenster, Türen oder Sockel werden mit Profilen oder Dichtbändern versehen. Die Qualität dieser Anschlüsse beeinflusst maßgeblich die Dauerhaftigkeit der Dämmwirkung.

Was kostet Dämmputz 2026?

Für das Jahr 2026 sollten Sie inklusive Fachhandwerker-Leistung und Material im Außenbereich mit einem Kostenbereich zwischen 90 und 160 Euro pro Quadratmeter rechnen und im Innenbereich mit 70 bis 130 Euro pro Quadratmeter. Bedenken Sie dabei immer, dass bei Dämmputz der Aufwand stark vom Untergrund und der gewünschten Schichtdicke abhängt.

Kosten für Dämmputz im Außenbereich

Bei einer Fassadendämmung liegen die Gesamtkosten meist zwischen 90 und 160 Euro pro Quadratmeter.

  • Darin enthalten sind Untergrundvorbereitung, mehrlagiger Putzauftrag, Armierung und Oberputz.
  • Planen Sie zusätzlich circa 10 bis 15 Euro pro Quadratmeter für das notwendige Fassadengerüst ein. Da Dämmputz oft bei Sanierungen im Bestand (z. B. Denkmalschutz) eingesetzt wird, können Vorarbeiten an altem Mauerwerk den Preis weiter nach oben treiben.

Kosten für Dämmputz im Innenbereich

Für die Innendämmung sollten Sie mit 70 bis 130 Euro pro Quadratmeter rechnen. Hier entfällt zwar das Gerüst, dafür sind der Schutz von Wohnbereichen und die Detailarbeit an Fensterlaibungen und Anschlüssen zeitintensiv. Hochwertige, mineralische Putze (z. B. auf Kalkbasis) liegen am oberen Ende der Spanne, bieten aber den besten Schutz gegen Schimmel.

Was kostet Aerogel-Hochleistungsdämmschutz?
Sollten Sie Hochleistungs-Aerogel-Dämmputz verwenden, oft eine gute Lösung für extrem dünne Schichten bei hoher Dämmwirkung, dann steigen die Kosten massiv an. Hier sind Preise von 150 bis über 300 Euro pro Quadratmeter üblich, da das Material ein Vielfaches von Standard-Dämmputz kostet.

Lassen Sie sich in Kostenvoranschlägen Material- und Lohnkosten getrennt ausweisen. Nur so können Sie den Lohnanteil steuerlich geltend machen. Zudem ist bei einer energetischen Sanierung durch einen Fachbetrieb oft eine staatliche Förderung (BEG) möglich, sofern die Dämmwerte die gesetzlichen Mindestanforderungen erreichen.

Kosten für Dämmputz: Welche Fördermittel kann ich beantragen?

Förderprogramme über die KfW oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) können auch bei Dämmmaßnahmen wie Dämmputz greifen, als Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle oder im Rahmen effizienter Gebäude. Besonderes Augenmerk gilt der Einhaltung der technischen Anforderungen und der Beantragung vor Beginn der Maßnahme. Da sich die Förderlandschaft sehr schnell ändern kann, prüfen Sie grundsätzlich vor Auftragsvergabe immer die aktuellen Förderbedingungen. 

Ökologische Varianten auf dem Vormarsch

Dass moderne Dämmputze heute ökologische Spitzenwerte erreichen können, ist maßgeblich der universitären Forschung zu verdanken. Ein wegweisendes Beispiel liefert die Universität Bonn. Hier arbeiten Wissenschaftler am Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) an neuen Wegen für die Dämmung von Gebäuden. Im Zentrum der Forschung steht das Riesenchinaschilf (Miscanthus x giganteus), ein schnell nachwachsender Rohstoff, der eine beeindruckende CO2-Bilanz aufweist. Das entscheidende bauphysikalische Detail liegt im Inneren der Halme, denn das sogenannte Parenchym-Gewebe verfügt über eine extrem poröse Struktur, die wie eine natürliche „Wärmefalle“ fungiert. In den winzigen Luftkammern des Gewebes wird Wärme gespeichert, was dem Material eine Dämmleistung verleiht, die herkömmlichen mineralischen Putzen deutlich überlegen ist. Neben dem Wärmeschutz überzeugt der Schilf-Putz auch durch seinen Beitrag zum Klimaschutz. Ein Hektar der Pflanze bindet pro Jahr rund 30 Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre. Wird dieses Material in einem Dämmputz verbaut, bleibt der Kohlenstoff über Jahrzehnte sicher in der Gebäudehülle gespeichert. Damit entwickelt sich Dämmputz von einer rein funktionalen Wandschicht zu einem aktiven Baustein für nachhaltiges und klimaneutrales Bauen. [1]

Diese 5 Dinge sollten Sie beachten

  1. Achten Sie unbedingt auf die Wärmeleitgruppe (WLG) des Dämmputzes und vergleichen Sie diese miteinander.
  2. Stellen Sie sicher, dass der Untergrund für die Anwendung geeignet ist, bei Feuchtigkeit, losen Altputzen oder unebenen Flächen bestehen Risiken wie Dämmreduzierung oder Schimmelwachstum.  
  3. Vergleichen Sie nicht nur die Materialkosten, sondern auch Arbeitsleistung, Zusatzarbeiten (Gerüst, Entsorgung) und Garantieleistungen.
  4. Prüfen Sie, ob das gewählte System für den Einsatz außen oder innen geeignet ist, denn die Anforderungen unterscheiden sich deutlich. Achten Sie darauf, dass alle verwendeten Komponenten vom selben Hersteller und damit aufeinander abgestimmt sind. 
  5. Beantragen Sie Fördermittel vor Beginn der Arbeiten und dokumentieren Sie die Ausführung sowie Materialien fachgerecht.


Fazit

Dämmputz stellt eine interessante Alternative oder ergänzende Maßnahme zu klassischen Dämmverfahren dar, insbesondere dort, wo die Aufbauhöhe begrenzt ist oder ästhetische sowie denkmalpflegerische Anforderungen bestehen. Seine Zusammensetzung mit Leichtzuschlägen und Porenbildnern bringt im Durchschnitt eine ganz gute Dämmwirkung, allerdings ist die Leistungsfähigkeit gegenüber dickeren Dämmplatten eingeschränkt. Eine sorgfältige Untergrund­vorbereitung, korrekte Verarbeitung und fachgerechte Anschlüsse sind essenziell für die Funktion und Langlebigkeit der Maßnahme, die im Vorfeld sinnvoll und am besten mit einem Energieberater gemeinsam geplant werden sollte.  

Dämmputz: Häufig gestellte Fragen

Funktioniert Dämmputz genauso gut wie ein WDVS?

Nicht exakt. Ein klassisches Wärmedämmverbundsystem erlaubt in der Regel größere Dämmdicken und damit bessere Dämmwerte. Dämmputz bietet eine schlankere Lösung mit guter Dämmleistung, erreicht aber meist nicht die Spitzenwerte eines WDVS. 

Wärmedämmputz: Welche Trocknungs- und Standzeiten muss ich zwischen den Schichten einrechnen? 

Die Trocknungs- und Standzeiten von Dämmputz hängen stark vom gewählten Material, der Schichtdicke sowie der Witterung und dem Raumklima ab. Als grobe Faustformel gilt, dass pro Zentimeter Schichtdicke mindestens ein Tag Standzeit eingeplant werden sollte, bevor die nächste Lage oder die Armierung aufgebracht wird. Bei kühler oder feuchter Witterung kann sich dieser Zeitraum deutlich verlängern. Eine zu schnelle Weiterverarbeitung ist riskant, da sie zu Spannungsrissen im Oberputz oder zu Haftungsproblemen führen kann. Beachten Sie daher unbedingt die spezifischen Angaben im technischen Datenblatt des Herstellers.

Ist Dämmputz für ein Passivhaus geeignet?

Wenn sehr hohe Dämmanforderungen bestehen wie beim Passivhausstandard, wenn die Wandstärke bereits stark begrenzt ist oder wenn mechanische Belastungen hoch sind, kann Dämmputz an seine Grenzen stoßen. In solchen Fällen ist ein System mit dickeren Dämmplatten empfehlenswert. 

Quellen

[1] „Uni Bonn entwickelt Hochleistungsdämmstoff“. Universität Bonn, www.uni-bonn.de/de/universitaet/presse-kommunikation/presseservice/archiv-pressemitteilungen/2016/050-2016. Zugegriffen 2. Januar 2026.

Über unsere*n Autor*in
Simone Blaß
Simone studierte Germanistik, Psychologie und Soziologie und absolvierte danach ein Volontariat bei einem lokalen Fernsehsender. Nach Zwischenstationen beim Radio und in einer PR-Agentur arbeitete sie viele Jahre als freiberufliche Redakteurin für Online-Portale und Agenturen.