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Putz und Verputzen

Gipskalkputz: Zusammensetzung, Eigenschaften, Anwendung, Verarbeitung & Kosten

Kathrina Haunfelder
Verfasst von Kathrina Haunfelder
Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2026
Lesedauer: 21 Minuten
© U. J. Alexander / istockphoto.com

Gipskalkputz ist ein ideales Material für den Innenbereich, denn durch seine diffusionsoffenen und schimmelresistenten Eigenschaften kann er das allgemeine Raumklima aktiv verbessern. Die Robustheit gegen Schimmel- und Pilzbildung ist dabei besonders dem Kalkanteil zu verdanken, was diesen Putz zu einer langlebigen Lösung für Innenwände macht. Die Verarbeitung gestaltet sich bei entsprechendem handwerklichem Geschick unkompliziert, wobei jedoch trotzdem einige wichtige Punkte für ein sorgfältiges Ergebnis beachtet werden sollten. So ist es beispielsweise entscheidend, dass der Untergrund im Vorfeld frei von Unebenheiten und Verschmutzungen ist, um eine ebenmäßige Oberfläche zu erzielen. Wenn Sie vor der Materialauswahl für Ihr Sanierungs- oder Renovierungsprojekt stehen, lohnt es sich, die vielfältigen Eigenschaften und Vorteile von Gipskalkputz genauer zu betrachten. Als Putzmaterial für Innenwände vereint er die besten Eigenschaften von Gips und Kalk in einem System und bietet damit eine optimale Balance zwischen Funktionalität und Wohngesundheit.

Alles auf einen Blick:

  • Gipskalkputz kombiniert die schnelle Trocknung und Glätte von Gips mit der Feuchtigkeitsregulierung und Schimmelhemmung von Kalk. Diese Kombination macht ihn zu einem vielseitigen Baustoff für moderne Innenräume.
  • Im Außenbereich wird diese Putzart nicht eingesetzt, da sie den Witterungseinflüssen wie Frost, Schlagregen und dauerhafter Feuchtigkeit nicht standhält. 
  • Die Verarbeitung umfasst Untergrundprüfung, gegebenenfalls das Aufbringen einer Haftbrücke, das Anmischen des Materials, ein- oder mehrlagiger Auftrag sowie abschließendes Glätten oder Strukturieren der Oberfläche.
  • Die Preise für Innenputz liegen je nach Untergrund, Schichtdicke und Qualitätsanforderung zwischen 10 und 20 Euro pro Quadratmeter.
  • Bei aufwendigeren Untergründen oder speziellen Anforderungen können die Kosten auch höher ausfallen.

Was ist Gipskalkputz?

Gipskalkputz ist ein mineralischer Innenwandputz, bei dem Gips (Calciumsulfat-Hemihydrat) und Kalk (Calciumhydroxid) als Bindemittel kombiniert werden. Dieses Putzmaterial schafft dabei eine gefilzte bis glatte Wandoberfläche. Durch den Gipsanteil profitieren Sie von einer schnellen Aushärtung und einer guten Glättbarkeit, einschließlich der Möglichkeit, feine Oberflächen sehr gleichmäßig zu gestalten. Der alkalische Kalkanteil trägt zur Feuchtigkeitsregulierung und damit zu einem verbesserten Raumklima bei. Die Wandfläche bleibt atmungsaktiv, weil der Kalk Feuchtigkeit aufnimmt und kontrolliert wieder an den Raum abgibt. Zusätzlich kann der Kalk durch seine puffernde Wirkung schimmelhemmend wirken.

Wie ist Gipskalkputz zusammengesetzt?

  • Bindemittel: Der Hauptbestandteil ist die Kombination aus Gips und Kalk. Gips bzw. Mörtel sorgt für rasche Erhärtung und eine glatte Oberfläche, Kalk übernimmt die Feuchtigkeitsregulierung. Der Kalkanteil macht bei einem echten Gipskalkputz einen merklichen Unterschied, denn er erhöht die Alkalität, verbessert die Schimmelresistenz und optimiert die Feuchtigkeitsaufnahme des Putzes.
  • Zuschlagstoffe und additive Zusatzstoffe: Je nach gewünschtem Endprodukt können feinkörniger Quarzsand, Leichtzuschläge oder organische Additive enthalten sein. Diese dienen beispielsweise der Herstellung von besonders leichten Putzen oder der Erzielung glatter Oberflächen. Zudem verbessern sie die Verarbeitung und die Oberflächeneigenschaften des fertigen Putzes.
  • Wasser und Zusätze: Für die Anmischung wird Wasser benötigt. Zusätzlich können Zusätze für bessere Haftung und Fugenausgleich enthalten sein. Achten Sie bei der Verarbeitung unbedingt auf das richtige Wasser-Bindemittel-Verhältnis. Übermäßiges Wasserzugeben oder eine falsche Wassermenge können die Festigkeit und Haltbarkeit des Putzes erheblich beeinträchtigen.
TIPP:
Prüfen Sie beim Kauf die Herstellerangaben genau, ob tatsächlich ein echtes Gips-Kalk-Bindemittel vorliegt oder lediglich ein Gipsputz mit geringem Kalkanteil angeboten wird. Nur bei einem ausreichenden Kalkanteil von mehr als 5 Prozent profitieren Sie von den vollen Vorteilen eines Gipskalkputzes.


Was unterscheidet Gipskalkputz von reinem Gipsputz oder Kalkputz?

Reiner Gipsputz enthält meist mindestens 50 Prozent Calciumsulfat und höchstens 5 Prozent Baukalk. Kalkputz hingegen setzt primär auf Luftkalk oder hydraulischen Kalk als Bindemittel, wobei Gips kaum oder gar nicht enthalten ist. Gipskalkputz liegt dazwischen und vereint beide Bindemittel. Diese Putzart bietet somit eine ausgewogene Kombination der jeweiligen Eigenschaften.

Verarbeitungsgeschwindigkeit und Trocknung: Reiner Gipsputz trocknet dank seines Calciumsulfat-Bindemittels sehr schnell. Der Kalkanteil bei Gipskalkputz verlangsamt die Erhärtung zwar geringfügig, bringt aber andere wertvolle Vorteile mit sich. Durch diese Kombination entsteht ein Material, das im Vergleich zum reinen Kalkputz deutlich schneller einsatzbereit ist, gleichzeitig aber einen besseren Beitrag zum Raumklima leisten kann als reiner Gipsputz.

Feuchtigkeitsregulierung und Raumklima: Der Kalkanteil sorgt dafür, dass Gipskalkputz feuchtigkeitsregulierender und diffusionsoffener ist als reiner Gipsputz. Damit entstehen positive Effekte auf das Raumklima, wie etwa eine Pufferung von Luftfeuchtigkeitsspitzen, weniger Kondensation an Wandoberflächen und eine insgesamt angenehmere Raumatmosphäre. Reiner Kalkputz bietet die stärkste Feuchtigkeitsregulierung, ist aber deutlich aufwendiger zu verarbeiten und benötigt längere Trocknungszeiten.

Außen- versus Innenanwendung: Reiner Kalk- oder Kalkzementputz eignet sich besser für Außenbereiche oder dauerhaft feuchte Stellen, da Kalk eine höhere Beständigkeit gegen Witterungseinflüsse bietet. Gipskalkputz wird hingegen ausschließlich im Innenbereich eingesetzt, da im Außenbereich eine zu hohe Anfälligkeit gegenüber Feuchtigkeit und Frost besteht. Das wasserlösliche Gipsbindemittel würde bei dauerhafter Feuchteeinwirkung seine Festigkeit verlieren.

Oberfläche und Belastbarkeit: Dank des Gipsanteils lässt sich Gipskalkputz besonders glatt verarbeiten und eignet sich ideal für dekorative Oberflächen oder hochwertigen Innenausbau. Reiner Kalkputz wird häufiger für strukturierte oder rustikale Oberflächen eingesetzt. Gipskalkputz bietet bei korrekter Verarbeitung auch in Bezug auf Abriebfestigkeit und mechanische Belastbarkeit gute Eigenschaften.

Kostenunterschiede: In der Regel ist reiner Kalkputz etwas teurer als einfache Gipsputze, da sowohl die Verarbeitung als auch das Material höhere Anforderungen mit sich bringen. 

Gipskalkputz, Gipsputz und Kalkputz: die Putzarten im Vergleich

KriteriumGipsputzGipskalkputzKalkputz
Verarbeitung und Trocknung
  • sehr schnelle Trocknung
  • etwas langsamere Erhärtung durch Kalkanteil
  • deutlich langsamere Trocknung
Feuchtigkeitsregulierung
  • gering
  • kaum diffusionsoffen
  • bessere Feuchtigkeitsaufnahme
  • bedingt durch Kalkanteil
  • sehr gute Regulierung
  • diffusionsoffen
Einsatzbereich
  • nur Innenbereiche
  • nur Innenbereiche
  • nicht frostbeständig
  • innen möglich
  • außen möglich
Oberfläche und Verarbeitung
  • sehr glatte Oberflächen
  • glatt und dekorativ
  • belastbar bei korrekter Ausführung
  • eher strukturierte Oberflächen
  • strukturierte Ausführung möglich
Belastbarkeit und Abrieb
  • mittelmäßig
  • gut
  • sehr widerstandsfähig
Kosten
  • günstig
  • mittel
  • teuer

Welche genormten Mörtelgruppen gelten?

Für Putzmaterial wie Gipskalkputz existieren Normen und Mörtelgruppen, die die technischen Anforderungen und Klassifizierungen vorgeben. Nach der Norm DIN EN 13279-1 werden gipshaltige Putztrockenmörtel in die Bezeichnungen B1 oder B7 eingeteilt. Gipskalkputz wird in der Baupraxis der Gruppe B3 zugeordnet. Ein Putz fällt in die Gruppe B3, wenn mehr als 5 Prozent Baukalk, also Calciumhydroxid, im Mörtel enthalten sind. [1] Diese Klassifizierung nach DIN EN 13279-1 hilft Verarbeitern und Planern, die richtige Materialwahl für ihr Projekt zu treffen.

GUT ZU WISSEN:
Die ältere Einteilung P-Gruppen nach der Vornorm DIN V 18550 wird heute nicht mehr normativ verwendet, bleibt aber in der Fachliteratur präsent.

Gipskalkputz: Ist er im Innenbereich und Außenbereich einsetzbar?

Die Verwendung dieser Putzart im Außenbereich ist ungeeignet oder nur eingeschränkt möglich, da die enthaltenen Gipsbindemittel und Kalkanteile nicht für hohe Witterungsbelastungen ausgelegt sind. Sie reagieren empfindlich auf dauerhafte Feuchtigkeit und Frost. Als Fassadenputz sind andere Mineralputze wie reiner Kalkputz die bessere Wahl.

Wo wird Gipskalkputz eingesetzt?

Gipskalkputz wird in erster Linie im Innenbereich genutzt. Er eignet sich hervorragend für Wandflächen und Decken bei normaler bis mäßiger Luftfeuchtigkeit. Die diffusionsoffenen Eigenschaften des Materials ermöglichen eine natürliche Regulierung der Raumluftfeuchte, was zu einem angenehmen und gesunden Raumklima beiträgt. 

Ist Gipskalkputz feuchtraumtauglich?

Gipskalkputz kann grundsätzlich in Räumen mit üblicher Luftfeuchtigkeit eingesetzt werden. Für stark beanspruchte Bereiche wie offene Duschen oder direkte Außenwandkontakte gelten jedoch besondere Anforderungen. In solchen Fällen ist oft ein Spezialputz mit erhöhter Wasserbeständigkeit erforderlich. Für private Bäder oder Küchen mit moderater Feuchtigkeit ist Gipskalkputz in der Regel geeignet. Prüfen Sie jedoch immer die Herstellerangaben und stimmen Sie sich bei Unsicherheiten mit einem Fachbetrieb ab.

Was passiert, wenn der Putz Feuchtigkeit oder Frost ausgesetzt ist?

Wird Gipskalkputz dauerhaft nass oder ist Frostzyklen ausgesetzt, kann dies zu

  • Haftverlust,
  • Abplatzungen oder
  • Rissbildung

führen. Die Verwendung von Gipskalkputz im Außenbereich ist nicht zu empfehlen. Sowohl das Gipsbindemittel als auch die Kalkanteile reagieren empfindlich auf starke Witterung, Schlagregen, Spritzwasser oder Frost. Das Gipsbindemittel ist wasserlöslich und kann bei dauerhafter Feuchte seine Festigkeit verlieren. Im feuchten Innenbereich, etwa in Badezimmern oder Küchen, ist der Einsatz möglich, sofern die Konstruktion trocken bleibt und eine geeignete Beschichtung oder Schutzschicht vorhanden ist. Dabei empfiehlt sich gegebenenfalls die Verwendung eines Spezialputzes wie Trasskalkputz. Beachten Sie unabhängig von der Putzart stets die Herstellerangaben, um eine sorfältige Verarbeitung sicher zu stellen.

GUT ZU WISSEN:
Diffusionsoffen bedeutet, dass Wasserdampf durch den Putz hindurchtreten kann und keine Feuchtigkeit eingeschlossen wird. Ein großer Vorteil gegenüber manchen unflexiblen Putzen oder Beschichtungen.

Für welche Räume ist Gipskalkputz geeignet?

Gipskalkputz ist ideal für Räume mit normaler Wohnnutzung und üblicher Feuchtigkeit. Dazu zählen 

  • Wohnzimmer,
  • Esszimmer,
  • Schlafzimmer,
  • Kinderzimmer,
  • Flure und
  • Arbeitszimmer.

Die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften sorgen in diesen Räumen für ein ausgeglichenes und angenehmes Raumklima. In privaten Küchen und Bädern kann unter Beachtung der Herstellervorgaben ebenfalls Gipskalkputz genutzt werden. Hierbei sollten Sie jedoch darauf achten, dass stark wasserbelastete Bereiche zusätzlich geschützt werden, zum Beispiel durch Fliesen oder wasserabweisende Beschichtungen.

Nicht geeignet sind dagegen

  • Kellerräume oder
  • Außenwände,

die von Grundfeuchte, aufsteigender Feuchtigkeit oder Kondensation betroffen sind. In solchen Bereichen kann die Feuchtebelastung zu hoch sein, was zu Schäden am Putz und im schlimmsten Fall zu Schimmelbildung führen kann. Hier sollten speziell für Feuchträume ausgelegte Putzsysteme zum Einsatz kommen.

Welche Eigenschaften hat Gipskalkputz?

Gipskalkputz lässt sich sehr glatt verarbeiten und hat eine feine Körnung von bis zu 1,2 Millimetern, die sich sowohl für glatte Oberflächen als auch für Strukturierungen eignet. Viele Gipskalkputze sind maschinenfähig, das heißt, sie können eingespritzt werden, was die Arbeitszeit reduziert. Die Kombination von Gips und Kalk sorgt dafür, dass der Putz nach dem Erhärten eine ausreichende Festigkeit für den Innenbereich aufweist und auch moderate mechanische Belastungen verkraftet. Durch den Kalkanteil kann der Putz aktiv Feuchtigkeit aufnehmen, puffern und wieder abgeben, was zu einem angenehmen Raumklima beiträgt und das Risiko von Schimmelbildung reduziert.

Ist er diffusionsoffen, feuchtigkeitsregulierend oder schimmelhemmend? 

Gipskalkputz vereint alle 3 Eigenschaften in einem Baustoff. Er ist diffusionsoffen und ermöglicht den natürlichen Austausch von Wasserdampf zwischen Wand und Raumluft. Dieser offenporige Aufbau verhindert, dass Feuchtigkeit dauerhaft in der Wandkonstruktion eingeschlossen wird und verbessert die Fähigkeit des Putzes, Feuchtigkeit zwischenzuspeichern und kontrolliert wieder abzugeben. Die alkalische Eigenschaft des Kalkanteils wirkt natürlich hemmend auf Schimmelsporen und unterstützt hygienische Wandflächen, besonders in Bereichen mit moderater Feuchtebelastung. Das basische Milieu bietet Schimmelpilzen keine Lebensgrundlage. In der Kombination entsteht ein Innenputz, der sowohl aktiv zur Feuchtekontrolle beiträgt als auch biologische Belastungen reduziert und damit präventiv gegen Schimmelbildung wirkt.

Wie wirkt sich Gipskalkputz auf das Raumklima aus?

Gipskalkputz trägt spürbar zu einem ausgeglichenen Raumklima bei, weil er Feuchtigkeit aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben kann. Diese Pufferwirkung hilft, Spitzen in der Luftfeuchtigkeit abzumildern und ein behagliches Wohngefühl zu fördern. Durch seinen rein mineralischen Aufbau unterstützt er zudem eine stabile und geruchsneutrale Innenraumluft, da keine flüchtigen organischen Stoffe freigesetzt werden. Räume wirken weniger stickig, und das Klima bleibt auch bei wechselnden Nutzungsbedingungen angenehm gleichmäßig. Besonders in Wohn- und Arbeitsbereichen zahlt sich dieser ausgleichende Effekt aus. Temperatur- und Feuchteschwankungen werden harmonischer wahrgenommen, was sich positiv auf das Wohlbefinden der Raumnutzer auswirkt.

Wie hart, abriebfest und belastbar ist der Putz?

Gipskalkputz erreicht nach vollständiger Aushärtung eine solide Oberflächenfestigkeit, die für den Einsatz in Wohn- und Arbeitsbereichen gut geeignet ist. Durch den Kalkanteil ist die Druckfestigkeit höher als bei reinem Gipsputz, da sich das mineralische Gefüge verdichtet und die Oberfläche insgesamt widerstandsfähiger ausbildet. Die feinporige Struktur sorgt zugleich für eine gleichmäßige, stabile Oberfläche. Für normal beanspruchte Innenräume bietet Gipskalkputz eine gute mechanische Belastbarkeit sowie mittelmäßige Abriebfestigkeit. In stärker frequentierten Bereichen wie Fluren oder Treppenhäusern empfiehlt sich jedoch eine zusätzliche Schutzmaßnahme, etwa ein strapazierfähiger Anstrich oder ein robusterer Oberputz, um die Dauerhaftigkeit der Oberfläche langfristig zu erhöhen.

Was sind die Vorteile und Nachteile von Gipskalkputz?

VorteileNachteile
  • gute Raumklimawirksamkeit durch aktive Feuchtigkeitsregulierung
  • einfache Verarbeitbarkeit, auch maschinell möglich
  • diffusionsoffen und atmungsaktiv
  • schimmelhemmend durch alkalische Eigenschaften der Kalkbindung
  • sehr gute Glättbarkeit für hochwertige Oberflächen
  • nicht geeignet für stark wasserbelastete Außenflächen oder Frostzonen
  • im Vergleich teurer als einfache Gipsputze
  • nicht für direkte Nassbereiche

Wie wird Gipskalkputz verarbeitet?

Um eine dauerhafte und optisch hochwertige Oberfläche zu erhalten, ist die fachgerechte Verarbeitung von Gipskalkputz entscheidend. Hierbei kommt es auf präzises Timing und die richtige Technik an, besonders beim Glätten und Strukturieren der Oberfläche.

Wie erfolgt die Untergrundprüfung und Vorbereitung?

1. Sichtprüfung und Beurteilung des Untergrunds: Zu Beginn erfolgt eine sorgfältige Sichtkontrolle der Wandfläche. Dabei wird geprüft, ob der Untergrund tragfähig, fest und gleichmäßig saugend ist. Lose Bestandteile, Staub, Farbreste oder kreidende Schichten dürfen nicht vorhanden sein, da sie die Haftung des Putzes beeinträchtigen. Ziel dieses Schrittes ist es, einen stabilen und geeigneten Untergrund für den weiteren Aufbau sicherzustellen.

2. Reinigung und Entfernung ungeeigneter Schichten: Alle haftungsmindernden Rückstände werden vollständig entfernt. Dazu zählen lose Altputze, Staubablagerungen sowie nicht tragfähige Anstriche. Die gründliche Reinigung der Fläche bildet die grundlegende Voraussetzung für eine dauerhafte und gleichmäßige Putzhaftung.

3. Ausgleich der Saugfähigkeit durch Vorbehandlung: Stark saugende Untergründe wie Porenbeton oder älteres Mauerwerk erfordern einen Voranstrich mit Tiefengrund oder einer geeigneten Haftbrücke. Diese Maßnahme verhindert, dass dem frischen Gipskalkputz zu schnell Anmachwasser entzogen wird. Ohne diesen Ausgleich kann es zu vorzeitigem Austrocknen, Rissbildung oder verminderter Festigkeit kommen.

4. Herstellung der Haftung auf glatten und dichten Flächen: Glatte oder wenig saugende Untergründe wie Betonflächen oder alte Fliesen benötigen eine spezielle Haftbrücke oder einen Haftputzgips. Dadurch wird eine ausreichende mechanische und chemische Verbindung zwischen Untergrund und Gipskalkputz hergestellt.

5. Prüfung der Untergrundfeuchte: Vor dem Verputzen ist der Feuchtegehalt des Mauerwerks zu kontrollieren. Ein zu feuchter oder nasser Untergrund kann die Abbindung des Gipskalkputzes stören und zu Haftungsproblemen führen. Bei Unsicherheiten empfiehlt sich eine Feuchtigkeitsmessung, um geeignete Trocknungszeiten oder zusätzliche Maßnahmen festzulegen.

UNSER TIPP:
Im Vorfeld sollten Sie alten Putz entfernen sowie vorhandenen Wandbelag, um ein ebenmäßiges Ergebnis zu erhalten. Diese Vorarbeit vermeidet zudem auch spätere Schäden wie Abplatzungen oder Hohlstellen und sichert die Langlebigkeit des neuen Putzes.

Wie wird der Putz angemischt?

Der Putz wird in der Regel werksseitig als Trockenmörtel geliefert und vor Ort mit Wasser angemischt. Bitte beachten Sie hierbei die Herstellerangaben zum Anmischen, denn das Einhalten der empfohlenen Wassermenge ist entscheidend, da zu viel Wasser die Festigkeit mindert und zu wenig Wasser die Verarbeitung erschwert. Nutzen Sie für das Vermischen am besten ein geeignetes Rührwerk oder bei größeren Projekten eine Putzmaschine und rühren Sie die Masse für wenige Minuten bis sie klumpenfrei ist. Nach einer kurzen Ruhephase von circa 3 bis 5 Minuten erreicht der Mörtel seine ideale Konsistenz für den Auftrag. 

Wird Gipskalkputz einlagig oder mehrlagig aufgetragen?

In der Regel wird Gipskalkputz einlagig aufgetragen. Diese Variante eignet sich besonders für gleichmäßige Untergründe ohne größere Unebenheiten und spart Zeit sowie Material. Bei einer mittleren Schichtstärke von 10 bis 15 Millimetern lassen sich bereits gute Ergebnisse erzielen. Bei unebenen Untergründen oder höheren Qualitätsanforderungen kann eine zweilagige Ausführung sinnvoll sein. Sie verbessert die Planheit der Fläche und sorgt für eine ruhigere Oberflächenstruktur. Herstellerangaben zur maximalen Schichtdicke sollten unbedingt beachtet werden, um Risse, Haftprobleme oder ein Durchhängen des Materials zu vermeiden. Zu dick abgezogene Putzschichten können zu Schwindrissen führen, während zu dünne Schichten die Untergrundstruktur durchscheinen lassen.

Wie gut lässt sich Gipskalkputz glätten oder strukturieren?

Gipskalkputz lässt sich sehr flexibel gestalten und bietet sowohl für glatte als auch für strukturierte Oberflächen ideale Voraussetzungen. Direkt nach dem Auftragen kann der Putz mit der Glättekelle verdichtet und geglättet werden, wodurch eine besonders ebene und hochwertige Fläche entsteht. Durch seine ergiebigere Konsistenz lässt sich der Putz zudem wirtschaftlich auftragen, da er großflächig ausgebracht werden kann, ohne dass Material verschwendet wird. Wenn eine feinere Oberfläche gewünscht wird, lässt sich der Putz in der Anziehphase filzen, sodass eine sanft körnige Struktur sichtbar wird. Beim Filzen wird die noch leicht feuchte Oberfläche mit einer Traufel oder einem Filzbrett bearbeitet, wodurch Unebenheiten geglättet und die Poren fein geschlossen werden. Für individuelle Designs können weitere Werkzeuge wie Schwammbrett, Strukturrolle oder Modellierkelle eingesetzt werden, um dekorative Effekte zu erzeugen. Entscheidend ist, den richtigen Zeitpunkt der Bearbeitung zu treffen, da der Gipsanteil relativ schnell anzieht und die Oberfläche dann fester und weniger formbar wird.

Wie lange muss Gipskalkputz trocknen, bevor weitergearbeitet werden kann?

Die Trocknungszeit von Gipskalkputz hängt von mehreren Faktoren ab, insbesondere von der Schichtdicke, der Raumtemperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Belüftung. Als Faustregel gilt eine Trocknungszeit von etwa einem Tag pro Millimeter Schichtdicke.



Was ist bei der Auswahl von Gipskalkputz zu beachten?

  • Produktqualität und Kennzeichnung: Achten Sie darauf, dass das Produkt eindeutig als Gipskalkputz ausgewiesen ist und die Bindemittelmischung aus Gips und Kalk tatsächlich vorhanden ist. Prüfen Sie, ob die technischen Daten zur geplanten Anwendung passen, etwa Eignung für den Innenbereich, Möglichkeit zur einlagigen Verarbeitung, zulässige Schichtdicken und Verarbeitungshinweise.
  • Untergrundeignung: Der Untergrund muss tragfähig, sauber, trocken und für Gipskalkputz geeignet sein. In stark feuchtebeanspruchten Zonen wie direkten Nassbereichen ist ein anderer, wasserbeständigerer Putz empfehlenswert. Lassen Sie im Zweifelsfall den Untergrund von einem Fachmann prüfen.
  • Fachbetrieb wählen: Wählen Sie einen qualifizierten Fachbetrieb mit nachweislicher Erfahrung im Umgang mit Gipskalkputz, insbesondere wenn eine hochwertige Glättung oder anspruchsvolle strukturierte Oberflächen gewünscht sind. Lassen Sie sich Referenzobjekte zeigen und sprechen Sie mit bisherigen Kunden, wenn möglich.
  • Raumklima und Bauphysik: Wenn Sie Wert auf gutes Raumklima legen, etwa durch Feuchtigkeitsregulierung, Schimmelhemmung und Diffusionsoffenheit, ist Gipskalkputz eine ausgezeichnete Wahl. Achten Sie jedoch darauf, dass das gesamte Raumkonzept stimmig ist. Dazu gehören ausreichende Belüftung, Vermeidung von Wärmebrücken und die Kontrolle von Feuchtigkeitsquellen.
  • Angebote vergleichen: Vergleichen Sie verschiedene Angebote sorgfältig und prüfen Sie nicht nur die Kosten für das Verputzen, sondern auch Materialqualität, Herstellermarke, vorgesehene Verarbeitung und den genauen Verwendungszweck. Extrem günstige Angebote können auf mindere Materialqualität oder unzureichende Leistungen hinweisen und später zu Qualitätseinbußen und Mehrkosten führen.

Welche Alternativen werden im Außenbereich empfohlen?

Mineralputz, etwa in Form von Kalkzementputz, eignet sich hervorragend für den Einsatz im Außenbereich. Er bietet eine hohe Witterungsbeständigkeit und überzeugt durch seine Robustheit gegenüber Algenbewuchs, Frost und Feuchtigkeit. Dadurch bleibt die Fassade langfristig geschützt und widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen. Die Wahl der richtigen Putzart ist dabei entscheidend für die Haltbarkeit des Wandbelags. Informieren Sie sich daher im Vorfeld sorgfältig darüber, welcher Mörtel für Ihr Bauvorhaben am besten geeignet ist. Für eine fachgerechte Verarbeitung und eine optimal abgestimmte Materialauswahl ist die Beratung durch einen erfahrenen Maler- oder Stuckateurbetrieb besonders empfehlenswert.

Was kostet Gipskalkputz?

Die Materialkosten für Gipskalkputz liegen durchschnittlich zwischen 10 und 20 Euro pro Quadratmeter. Dieser Preis bezieht sich auf das reine Material ohne Verarbeitung. Verschiedene Faktoren können die Kosten beeinflussen:

  • notwendige Materialien für Vorarbeiten 
  • Flächengröße
  • Oberflächenqualität und Glättegrad
  • Schichtstärke (einlagige oder mehrlagige Ausführung)
  • Produktqualität
  • Hersteller

Bei aufwendigen Untergründen oder besonderen Anforderungen können die Materialkosten auch 25 Euro pro Quadratmeter oder mehr erreichen.

Was kostet die Verarbeitung durch Fachbetriebe?

Die Kosten für das professionelle Verputzen von Wänden durch Fachbetriebe variieren je nach

  • Region,
  • Qualifikation des Betriebs und
  • Umfang der Arbeiten.

Die durchschnittliche Gesamtpreisspanne für Material und Arbeitsleistung liegt bei 20 bis 50 Euro pro Quadratmeter für Verputzarbeiten mit Gipskalkputz. Bei komplexen Projekten oder hohen Qualitätsanforderungen können die Kosten entsprechend steigen. Wenn bei einer Fläche über mehrere Tage gearbeitet wird, summiert sich dies. Damit Sie ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis für Ihr Wandprojekt finden, sollten Sie mehrere Fachbetriebe miteinander vergleichen. Fordern Sie am besten mindestens 2 unverbindliche Angebote ein und achten Sie auf die detaillierte Aufschlüsselung von Material- und Arbeitskosten. So erhalten Sie einen Überblick über die Preise für die jeweiligen Leistungen und können sich für den Betrieb entscheiden, der am besten zu Ihrem Budget und Ihr Vorhaben passt. 

Diese 5 Dinge sollten Sie beachten

  1. Klären Sie mit dem Fachbetrieb die notwendige Putzdicke, damit Unebenheiten zuverlässig ausgeglichen werden und die Oberfläche dauerhaft stabil bleibt. Eine zu dünne Schicht kann Untergrundstrukturen durchscheinen lassen, eine zu dicke Schicht neigt zu Rissbildung.
  2. Fragen Sie nach der empfohlenen Trocknungszeit und berücksichtigen Sie diese im Bauablauf. Überstürzen Sie keine Folgearbeiten wie Tapezieren oder Streichen, um Folgeschäden durch zu frühe Belastung oder eingeschlossene Restfeuchte zu vermeiden.
  3. Lassen Sie fachlich prüfen, ob eine Grundierung, Haftbrücke oder Tiefengrund erforderlich ist, damit der Putz auf schwierigen oder sehr glatten Untergründen optimal haftet und seine volle Festigkeit entwickelt.
  4. Achten Sie darauf, dass der Raum während der Verarbeitung und in der Trocknungsphase ausreichend, aber zugfrei gelüftet wird, damit die Feuchtigkeit gleichmäßig und kontrolliert abziehen kann. Vermeiden Sie Durchzug und direkte Sonneneinstrahlung.
  5. Stimmen Sie spätere Farbbeschichtungen oder Wandbeläge auf die Eigenschaften des Gipskalkputzes ab. Verwenden Sie diffusionsoffene Farben, damit die feuchtigkeitsregulierenden und atmungsaktiven Eigenschaften des Putzes erhalten bleiben und nicht durch eine dichte Beschichtung blockiert werden.


Fazit

Gipskalkputz stellt eine durchdachte Kombination zwischen schnell verarbeitbarem Gipsputz und raumklimaförderndem Kalkputz dar und ist besonders für den Innenbereich eine ausgezeichnete Wahl. Seine ausgewogene Mischung aus guter Verarbeitbarkeit, angemessener Trocknungszeit, diffusionsoffenem Verhalten und positiver Wirkung auf das Raumklima macht ihn zu einer attraktiven Lösung für viele Wohn- und Arbeitsräume. Die fachgerechte Verarbeitung erfordert jedoch einen sorgfältig vorbereiteten Untergrund und handwerkliche Erfahrung, damit die positiven Eigenschaften des Materials voll zur Geltung kommen. Besonders wichtig ist die Prüfung, ob Anwendungsbereich und Umgebungsbedingungen für Gipskalkputz geeignet sind. Ein falscher Einsatz, etwa in direkten Nassbereichen oder im Außenbereich, kann schnell zu erheblichen Problemen und kostspieligen Sanierungen führen. Auch bei der Kostenbetrachtung sollten Sie nicht nur auf den günstigsten Preis achten, sondern sowohl Materialqualität als auch fachgerechte Verarbeitung in Ihre Entscheidung einbeziehen.

Gipskalkputz: Häufig gestellte Fragen

Kann Gipskalkputz auch auf alten Putz aufgetragen werden?

Grundsätzlich kann Gipskalkputz auf bestehendem Altputz aufgetragen werden, sofern dieser fest, tragfähig und frei von losen Stellen und Verschmutzungen ist. Jedoch empfiehlt es sich für ein sauberes Ergebnis alte Wandbeschichtung entsprechend abzutragen. 

Wie kann man Gipskalkputz überstreichen oder beschichten?

Nach vollständiger Trocknung kann Gipskalkputz mit diffusionsoffenen Farben wie Silikatfarbe, Kalkfarbe oder Mineralfarbe überstrichen werden. Diese erhalten die feuchtigkeitsregulierende Wirkung des Putzes. Dispersionsfarben sind ebenfalls möglich, schränken aber die Diffusionsfähigkeit ein. Vor dem Anstrich sollte die Oberfläche gegebenenfalls leicht angeschliffen und mit einer geeigneten Grundierung vorbereitet werden, besonders wenn eine sehr glatte oder stark saugende Fläche vorliegt.

Wie lange ist ein Sack Gipskalkputz lagerfähig?

Gipskalkputz in Trockenform ist bei sachgerechter Lagerung im Schnitt bis zu 6 Monate haltbar. Lagern Sie die Säcke trocken, kühl und geschützt vor Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Einmal angebrochene Säcke sollten möglichst zeitnah verarbeitet werden, da der Putz durch Luftfeuchtigkeit bereits vor dem Mischen reagieren kann. Ist das Material klumpig oder riecht unangenehm, sollten Sie es nicht mehr verwenden.

Quellen

[1] Bundesverband der Gipsindustrie e. V. Industriegruppe Baugipse. „Gipsputze und Gips-Kalkputze auf Beton“. Gips.de, www.gips.de/fileadmin/user_upload/IGB_MB2_2023_11_24.pdf. Zugegriffen 14. Januar 2026.

Über unsere*n Autor*in
Kathrina Haunfelder
Kathrina studiert zurzeit Technikjournalismus und Technik-PR. Im Studium eignete Sie sich bereits die grundlegenden Kompetenzen in den Bereichen Print-, Online-, Hörfunk- und TV-Journalismus mit dem Schwerpunkt Technik an. Vor ihrem Studium absolvierte Sie eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin.