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Putz und Verputzen

Strukturputz: Muster, Verputzen und Kosten

Simone Blaß
Verfasst von Simone Blaß
Zuletzt aktualisiert: 25. September 2024
Lesedauer: 28 Minuten
© Dmitry Shcheglov / istockphoto.com

Feine Rillen, rustikale Kratzstrukturen oder schwungvolle Wellenmuster bringen Bewegung an die Wand und machen aus einer glatten Fläche einen echten Blickfang. Strukturputz sieht dabei nicht nur interessant aus, sondern schützt die Wand zugleich vor Feuchtigkeit und alltäglicher Beanspruchung. Der Schutz hängt dabei aber vom Bindemittel, dem gesamten Putzaufbau, dem Einsatzbereich und gegebenenfalls einer Beschichtung ab. Denn damit die Oberfläche am Ende genauso aussieht wie gewünscht, kommt es auf mehr an als auf die richtige Putzart. Auch der Untergrund und die Verarbeitung spielen eine entscheidende Rolle. Wer beides auf das Material abstimmt, schafft eine Oberfläche, die optisch überzeugt und lange Freude macht.

Alles auf einen Blick:

  • Strukturputz ist ein Oberbegriff für Putze mit sichtbarer Oberflächenstruktur, darunter Reibeputz, Rollputz und Kratzputz.
  • Die Körnung bestimmt die Optik: Feine Körnungen ab einem halben Millimeter erzeugen dezente Strukturen, grobe Körnungen ab drei Millimetern markante Muster.
  • Mineralische, silikatische, kunstharz- und silikonharzgebundene Oberputze können bei einem passendem System auch außen eingesetzt werden.
  • Die Gesamtkosten für Strukturputz mit fachgerechter Verarbeitung liegen außen bei 30 bis 95 Euro pro Quadratmeter und innen zwischen 35 und 70 Euro pro Quadratmeter.
  • Die Trocknungszeit beträgt als Faustregel einen Tag pro Millimeter Putzdicke, bei dünnschichtigem Strukturputz also etwa zwei bis fünf Tage. Achten Sie hier aber unbedingt auf die Angaben des Herstellers.

Was ist Strukturputz?

Strukturputz bezeichnet eine Gruppe von Oberputzen, deren Oberfläche nach dem Auftragen gezielt bearbeitet wird, um ein sichtbares Muster zu erzeugen. Im Gegensatz zu Glattputz weist die fertige Fläche Rillen, Körner, Wellen oder andere plastische Strukturen auf. Diese entstehen durch die enthaltene Gesteinskörnung und die gewählte Verarbeitungstechnik. Als Bindemittel kommen entweder mineralische Stoffe wie Kalk, Zement oder Silikat zum Einsatz, aber auch organische Kunstharze. Mineralische Strukturputze sind diffusionsoffen und lassen Feuchtigkeit durch die Putzschicht wandern. Kunstharzputze sind dagegen elastischer und wasserabweisender, verschließen die Wandoberfläche jedoch stärker. Strukturputz wird sowohl im Innenbereich als dekoratives Element als auch an Fassaden als witterungsbeständiger Oberputz eingesetzt.

Seit wann gibt es Strukturputz?

Strukturputz im heutigen Sinn, also als bewusst dekorativ strukturierter Oberputz, wird vor allem seit dem 19. Jahrhundert eingesetzt. Die zugrunde liegenden Putztechniken sind jedoch deutlich älter: Kalkputze, geriebene Oberflächen und reliefartige Wandgestaltungen gab es bereits in der Antike, während Kratzputz schon seit dem 14. Jahrhundert für Fassaden nachweisbar ist.


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So unterscheiden Sie Putzarten, Techniken und Oberflächen 

Bei Strukturputz werden Begriffe wie Reibeputz, Wurmputz oder Besenstrich im Alltag häufig gleich verwendet. Fachlich beschreiben sie jedoch unterschiedliche Ebenen: teils die Art des Putzes, teils die Verarbeitung und teils das sichtbare Ergebnis. Eine klare Einordnung hilft Ihnen dabei, das geeignete Material auszuwählen und die gewünschte Wand- oder Fassadenoptik gezielt zu planen.

Reibeputz, Kratzputz und Rollputz

Sie bezeichnen vor allem Putz- beziehungsweise Verarbeitungsarten. Reibeputz wird auf Kornstärke aufgezogen und mit einem Reibebrett bearbeitet. Dabei verschieben sich die größeren Körner und ziehen die typische Struktur in die frische Putzschicht. Kratzputz wird deutlich dicker aufgetragen, lässt zunächst ansteifen und wird anschließend mit Kratzbrett oder Nagelbrett aufgeraut. Rollputz ist dagegen so eingestellt, dass er sich mit einer Rolle auftragen lässt. Die Struktur entsteht je nach Produkt bereits beim Rollen oder durch eine zusätzliche Bearbeitung im frischen Zustand.

Besenstrich, Kellenstrich, Kellenwurf und Tupftechnik

Hier handelt es sich um Gestaltungstechniken. Sie beschreiben nicht in erster Linie das Material, sondern das Werkzeug und die Bewegung, mit denen die noch frische Putzoberfläche bearbeitet wird. Beim Besenstrich zieht ein Besen gerade, geschwungen oder in Wellen über den Putz. Kellenstrich und Kellenwurf erzeugen sichtbare Kellenzüge beziehungsweise eine bewusst plastische, handwerkliche Oberfläche. Bei der Tupftechnik wird die Struktur mit einem Schwamm, einer Bürste oder einem Pinsel in den noch formbaren Putz eingearbeitet.

Wurmputz und Rillenstruktur

Hier wird schließlich das optische Ergebnis beschrieben. Beide entstehen häufig durch das Reiben eines körnigen Oberputzes: Kreisende Bewegungen erzeugen eine wirbelnde, wurmartige Zeichnung, waagerechte oder senkrechte Bewegungen führen zu einer gerichteten Rillenstruktur. In der Praxis werden Reibeputz, Rillenputz und Wurmputz deshalb oft synonym verwendet. Präziser ist es jedoch, Reibeputz als Verarbeitungsart und Wurm- oder Rillenputz als daraus entstehendes Oberflächenbild zu bezeichnen.

Übrigens: Neben Reibe-, Kratz- und Rollputz können auch andere Putzarten als sichtbare Oberfläche gestaltet werden. Zementputz beispielsweise ist besonders fest und feuchtebeständig und wird daher vor allem außen, im Sockelbereich, an Kellerwänden oder auf mechanisch beanspruchten Flächen eingesetzt. Mit Kelle, Besen oder Reibebrett lässt sich zwar eine eher grobe Struktur erzeugen, für feine, dekorative Muster ist er wegen seiner hohen Härte und vergleichsweise geringen Elastizität jedoch weniger geeignet. Zementputz dient deshalb eher als robuster Unterputz, auf den anschließend ein dekorativer Oberputz folgt.

Das sagt unsere Maler.org Putz-Expertin

Natürlich sollte ein Bauherr darauf achten, dass der Fachhandwerker normative Produkte am besten von Markenherstellern verwendet. Ob allerdings auch normgerecht gearbeitet wird, ist für Laien nur schwer zu erkennen. Hinzu kommt, dass wir in Deutschland – was eher ungewöhnlich ist – sowohl eine europäische Verarbeitungsnorm als auch eine deutsche Zusatznorm haben. […] Entscheidend ist aber vor allem, mit qualifiziertem Fachhandwerk zusammenzuarbeiten und Referenzen einzuholen. Auch deshalb, weil es abgesehen von der üblichen Bauabnahme keine entsprechenden Kontrollen gibt.

Dipl.-Ing. Antje Hannig – Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM).

Wenn Sie sich an einen Fachbetrieb wenden, dann wählt dieser zunächst Putzart und Bindemittelbasis passend zu Innenwand, Fassade oder Sockel. Danach erst entscheiden Profis über Körnung, Werkzeug und Verarbeitungstechnik. Und erst daraus ergibt sich die sichtbare Oberflächenstruktur. 

Welche Arten von Strukturputz gibt es?

  • Reibeputz
  • Kratzputz
  • Rollputz
  • Streichputz
  • Modellierputz
  • Buntsteinputz

Reibeputz

Reibeputz wird mit einer Kelle in Kornstärke aufgetragen und anschließend mit einem Reibebrett in kreisenden oder gerichteten Bewegungen strukturiert. Durch die Verschiebung der Körner entstehen Rillen und Furchen. Besonders bekannt ist der sogenannte Münchner Rauputz.

Kratzputz

Kratzputz wird dicker aufgetragen (circa 10 bis 20 Millimeter) und nach dem Anziehen mit einem Nagelbrett oder Edelputzkratzer aufgekratzt. Die Oberfläche von Kratzputz wirkt körnig und besonders robust.

Rollputz

Rollputz wird ähnlich wie Wandfarbe mit einer Rolle aufgetragen und eignet sich dadurch besonders für eine schnelle und unkomplizierte Verarbeitung. Die dünne Putzschicht trocknet zügig und erzeugt je nach Körnung eine feine oder stärker strukturierte Oberfläche.

Streichputz

Streichputz wird mit einem breiten Pinsel aufgestrichen. Wenn Sie Streichputz auftragen, dann ist das in der Verarbeitung mit Rollputz vergleichbar.

Glatt- und Modellierputz

Modellierputz lässt sich nach dem Auftragen mit Kelle, Schwamm oder Bürste individuell gestalten und bietet viel Spielraum für kreative Oberflächen. Je nach Werkzeug und Technik entstehen unterschiedliche Strukturen und Muster, die der Wand eine persönliche Note geben.

Buntsteinputz

Wenn Sie Buntsteinputz verarbeiten, dann enthält dieser farbige Natursteingranulate, die nach dem Auftragen sichtbar bleiben und einen edlen Mosaikeffekt erzeugen.

Worin unterscheiden sich Rollputz, Reibeputz und Kratzputz?

RollputzReibeputzKratzputz
WerkzeugMalerwalze oder RolleKelle und ReibebrettKelle und Nagelbrett
Schichtdickecirca 1 bis 2 Millimetercirca 2 bis 4 Millimeter (Kornstärke)circa 10 bis 20 Millimeter
StrukturgebungWalzenbewegung oder nachträgliches Modellierenkreisende oder gerichtete ReibebewegungAbkratzen des angetrockneten Putzes
Schwierigkeitsgradgeringmittel, Übung nötighoch, erfordert Erfahrung
Eignungvorwiegend InnenbereichInnen- und Außenbereichvorwiegend Außenbereich
Robustheitgeringer wegen dünner Schichtmittelsehr hoch durch dicke Schicht
GUT ZU WISSEN
Reibeputz und Kratzputz werden gelegentlich verwechselt, da beide als Strukturputz mit sichtbarer Körnung auftreten. Der wesentliche Unterschied liegt in der Schichtdicke und der Art der Bearbeitung: Beim Reibeputz wird die Struktur durch Verschieben der Körner erzeugt, beim Kratzputz durch das Abtragen der Bindemittelschicht zwischen den Körnern.

Welche Muster sind mit Strukturputz möglich?

  • Rillenstruktur
  • Kratzstruktur
  • Kellenputz/Kellenstrich
  • Besenstrich
  • Schwamm- oder Tupftechnik
  • Rollstruktur

Rillenstruktur 

Diese Struktur entsteht durch kreisende oder waagerechte Reibebewegungen mit einem Kunststoff- oder Holzreibebrett, sobald der Putz angezogen hat. Je nach Bewegung entstehen feine, wellenartige Rillen (kreisend) oder gerichtete Linien (waagerecht) mit typischen Körnungen von 2 bis 3 Millimetern.  

Kratzstruktur

Kratzputz wird 10 bis 20 Millimeter dick aufgetragen und nach dem produktspezifischen Ansteifen mit einem Nagelbrett oder einem Kratzeisen bearbeitet. Es entsteht eine stumpfe, spannungsarme und besonders rissunempfindliche Oberfläche, die kleine Untergrundfehler kaschiert und unter Sonneneinstrahlung lebendige Schattenmuster wirft. Ein gleichmäßig verteiltes Nagelbrett sorgt für eine homogene Struktur, ungleichmäßiger Druck erzeugt helle und dunkle Zonen.

Kellenputz/Kellenstrich

Beim Kellenwurfputz wird der Mörtel mit der Kelle auf die Wand geworfen und nur grob verteilt. So entsteht eine kräftige, rustikale Oberfläche mit einem lebendigen Spiel aus Licht und Schatten. Beim Kellenstrichputz bleibt dagegen der typische, bogenförmige Kellenschlag sichtbar. Beide Techniken erfordern ein gutes Gespür für Druck und Materialmenge, denn zu viel Druck glättet die Struktur, während zu wenig für eine ungleichmäßige Verteilung sorgt.

Besenstrich

Der Besenstrich gehört zu den einfachsten Putzstrukturen und wirkt besonders auf großen Flächen wie Scheunen, Garagen oder ländlichen Fassaden. Für ein gleichmäßiges Ergebnis wird der Besen mit konstantem Druck über den frischen Putz geführt, sodass parallele Linien mit einer einheitlichen Tiefe entstehen.

Schwamm- oder Tupftechnik

Mit einem leicht feuchten Naturschwamm lassen sich im Streichputz weiche, wolkenartige Strukturen erzeugen, die besonders in Wohnräumen eine gemütliche Atmosphäre schaffen. Dafür wird der Schwamm in den noch formbaren Putz getupft, sobald die Oberfläche nicht mehr glänzt. Leichter Druck und wechselnde Bewegungen sorgen dabei für ein natürliches, abwechslungsreiches Muster.

Rollstruktur

Rollputz ist besonders für Heimwerker geeignet, da die Technik einfach zu erlernen ist und gleichmäßige Ergebnisse liefert. Je nach Produkt wird Rollputz direkt mit einer geeigneten Rolle aufgetragen oder anschließend im frischen Zustand mit einem Strukturwerkzeug bearbeitet.

UNSER TIPP
Testen Sie das gewünschte Muster immer vorab auf einer Probefläche oder einer Holzplatte. So lässt sich die richtige Konsistenz und Technik finden, bevor Sie die gesamte Wand bearbeiten.

Welcher Strukturputz eignet sich für innen?

StrukturputzEigenschaftengeeignet für
Rillenstruktur (Reibeputz)
  • wird mit einem Reibebrett strukturiert
  • feine Körnungen von ungefähr 0,5 bis 2 mm wirken im Innenraum vergleichsweise ruhig
  • je feiner die Struktur, desto einfacher lässt sich die Oberfläche reinigen
  • erzeugt eine gleichmäßige, klassische Putzstruktur
Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräume
Roll- oder Streichputz
  • wird mit Rolle, Bürste oder Pinsel aufgetragen
  • besonders einfach zu verarbeiten und daher auch für Heimwerker geeignet
  • unterschiedliche Strukturen lassen sich durch Werkzeug und Verarbeitung erzeugen
  • feine Körnungen ab circa 0,5 mm erhältlich
Wohnräume, Flure und kleinere Renovierungsarbeiten
Schwamm- oder Tupftechnik
  • frischer Putz wird mit einem Schwamm abgetupft oder modelliert
  • erzeugt weiche, unregelmäßige und organische Strukturen
  • mit feinen Körnungen entstehen vergleichsweise pflegeleichte Oberflächen
  • das Muster lässt sich durch Druck und Bewegung individuell gestalten
Wohn- und Schlafräume, dekorative Wandflächen
Modellierputz
  • besonders fein strukturierbar und individuell formbar
  • kann mit Kelle, Schwamm, Bürste oder anderen Werkzeugen gestaltet werden
  • ermöglicht dezente bis deutlich sichtbare Strukturen
  • je nach Ausführung auch für größere Wandflächen geeignet
moderne Wohnräume, Akzentwände und individuelle Wandgestaltung

Im Innenbereich werden häufig Roll- und Streichputze auf Kunstharzbasis verwendet. Die gebrauchsfertigen Oberputze werden meist nur 2 bis 5 Millimeter dick aufgetragen und eignen sich besonders für ebene Untergründe wie Gipskarton oder glatte, tragfähige Putzflächen und lassen sich vergleichsweise einfach verarbeiten. Um ein möglichst gutes Raumklima zu erhalten, sollten Sie auf emissionsarme, lösemittelfreie Produkte mit dem Blauen Engel achten. [1]Eine gute Alternative sind mineralische Putze auf Kalk-, Gips- oder Kalk-Gips-Basis. Solche mineralischen, diffusionsoffenen Putze können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben und tragen dadurch zu einem ausgeglichenen Raumklima bei. Für die Gestaltung als Oberputz brauchen Sie eigentlich nur 3 bis 5 Millimeter. Wichtig ist aber, dass der Unterputz vor dem weiteren Aufbau ausreichend getrocknet ist. Die Faustregel hier ist ein Tag Trocknungszeit pro Millimeter Schichtdicke. Für Wohnräume wirken feine Körnungen ruhiger als grobe Strukturen und lassen sich meist auch leichter sauber halten, denn dünnlagige Strukturputze bieten weniger Angriffsfläche für Staub. 



Welcher Strukturputz eignet sich für außen?

StrukturputzEigenschaftengeeignet für
Rillenstruktur (Reibeputz)
  • wird mit einem Reibebrett strukturiert
  • je nach Reibebewegung entstehen waagerechte, senkrechte oder kreisförmige Rillen
  • übliche Körnungen etwa 1 bis 3 mm
  • robust und für viele Fassadenputz meist geeignet
Standardfassaden, Neubauten und Sanierungen
Wurmputz als Unterart der Rillenstruktur
  • grobkörnige, längliche Struktur durch Reiben des frischen Putzes
  • je nach Ausführung entstehen unterschiedlich ausgeprägte „Wurm“-Strukturen
  • Körnungen häufig etwa 2 bis 5 mm
  • für mineralische und organisch gebundene Putze erhältlich
Außenfassaden, Altbauten und rustikale Architektur
Kratzputz
  • wird nach dem Auftragen und Anziehen mit einem Kratzbrett aufgeraut
  • erzeugt eine gleichmäßig raue, körnige Oberfläche
  • häufig etwa 10 bis 20 mm stark, je nach System und Körnung
  • sehr widerstandsfähig und traditionell
hochwertige Fassaden, historische Gebäude und traditionelle Architektur
Besenstrich
  • frischer Putz wird mit einem Besen strukturiert
  • erzeugt charakteristische, meist lineare Strukturen
  • die Oberfläche wirkt je nach Strichrichtung und Lichteinfall unterschiedlich
ländliche Fassaden, Scheunen und Gebäude mit rustikalem Charakter
Kellenwurfputz
  • Putzmörtel wird mit der Kelle auf den Untergrund geworfen
  • die Oberfläche bleibt bewusst unregelmäßig und plastisch
  • erzeugt eine kräftige, handwerkliche Struktur mit ausgeprägtem Schattenspiel
rustikale Fassaden, historische und ländliche Gebäude
Kellenstrichputz
  • der Putz wird mit der Kelle aufgetragen und in sichtbaren Strichen gestaltet
  • der typische Kellenschlag bleibt als bogenförmiges oder unregelmäßiges Muster erhalten
  • die Struktur lässt sich individuell ausarbeiten
repräsentative Fassaden, Altbauten und individuelle Gestaltungen
Buntsteinputz
  • dünnschichtiger Oberputz mit eingefärbtem Naturstein- oder Marmorkorn
  • sehr widerstandsfähige und abriebfeste Oberfläche
  • meist etwa 1 bis 2 mm Körnung
  • besonders unempfindlich gegenüber mechanischer Beanspruchung und Spritzwasser
Sockelbereiche, Eingänge, Treppenhäuser und stark beanspruchte Fassadenbereiche

Bei Strukturputz für die Fassade sollte nicht nur die Optik stimmen. Entscheidend ist, dass der Putz zum Untergrund passt und dauerhaft mit den Witterungsbedingungen zurechtkommt. Regen, Frost und starke Sonneneinstrahlung können einer Fassade nämlich über viele Jahre zusetzen, was widerstandsfähige und für den Außenbereich geeignete Putze umso wichtiger macht. Auch die Körnung spielt eine Rolle. Grobe Strukturen verleihen der Fassade zwar einen markanten Charakter, bieten aber gleichzeitig mehr Angriffsfläche für Staub und Schmutz. In Bereichen wie dem Sockel, die besonders viel Feuchtigkeit und mechanischer Belastung ausgesetzt sind, sollte deshalb ein entsprechend robuster Putz wie der Buntsteinputz gewählt werden. Bei einem Wärmedämmverbundsystem kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Der Strukturputz muss unbedingt mit dem gesamten System verträglich und dafür zugelassen sein. Ein Fachbetrieb achtet darauf und nimmt in der Regel ein System, das von einem Hersteller stammt beziehungsweise aufeinander abgestimmt wird. 

Welche Körnung kann Strukturputz haben?

Körnunggeeignet für
1 bis 1,5 Millimeter
  • sehr feine, dezente Struktur
  • gut geeignet für Innenräume, in denen eine ruhige Optik gewünscht ist
2 Millimeter
  • Standardkörnung für Reibeputze an Fassaden und in Innenräumen
  • gut sichtbare Rillen bei gleichzeitig pflegeleichter Oberfläche
3 bis 4 Millimeter
  • ausgeprägte, rustikale Struktur
  • für Fassaden mit gewollt lebhaftem Erscheinungsbild
5 Millimeter und mehr
  • sehr grobe Struktur
  • vorwiegend für Sockel- und Fassadenbereiche mit hoher Beanspruchung
Strukturputz wird mit Kelle auf Wand aufgetragen.
Feinere Körnungen ergeben meist eine weniger tief strukturierte und daher leichter zu reinigende Oberfläche. © ANATOLii SAVITSKii / istockphoto.com

Welche Vorteile hat Strukturputz?

  • große gestalterische Vielfalt durch unterschiedliche Techniken, Körnungen und Farben
  • kaschiert kleinere Unebenheiten und Risse im Untergrund
  • langlebig und strapazierfähig, besonders Kratzputz an Fassaden
  • kein Tapetenkleber nötig, keine Tapetennaht sichtbar
  • lässt sich bei Bedarf überstreichen oder mit einem neuen Putz überarbeiten
  • mineralische Varianten regulieren Feuchtigkeit und können Schimmelbildung entgegenwirken

Welche Nachteile hat Strukturputz?

  • grobe Strukturen sammeln Staub und Spinnweben und lassen sich schwer reinigen
  • Entfernen des Putzes ist aufwendiger als Tapete abzulösen
  • Fehler beim Auftragen (Ansätze, Flecken) sind bei mineralischem Putz kaum korrigierbar
  • mineralischer Putz braucht längere Trocknungszeiten als Farbe oder Tapete
  • fachgerechte Verarbeitung von Reibeputz und Kratzputz erfordert Übung
  • nicht alle Strukturputze sind für Feuchträume geeignet

Die Vor- und Nachteile im Überblick

VorteileNachteile
unterschiedliche Körnungen, Farben und Verarbeitungstechniken ermöglichen ganz verschiedene Oberflächengrobe Strukturen bieten Staub und Spinnweben mehr Halt und lassen sich schwieriger abwischen
leicht unebene Untergründe fallen durch die Struktur weniger auf. Größere Risse lassen sich damit allerdings nicht dauerhaft versteckenim Gegensatz zu Tapeten lässt sich einmal aufgetragener Strukturputz nur mit deutlich mehr Aufwand wieder abtragen
viele Strukturputze sind widerstandsfähig und halten auch stärkeren Beanspruchungen standAnsätze, Farbunterschiede oder ungleichmäßige Strukturen lassen sich nach dem Trocknen oft nur schwer ausbessern
die durchgehende Putzfläche sorgt für ein geschlossenes Wandbild, ohne dass Tapetenbahnen aneinanderstoßenvor allem mineralische Putze brauchen Zeit zum Abbinden und Trocknen, bevor die Fläche weiterbearbeitet werden kann
viele Putzoberflächen lassen sich später streichen oder je nach Aufbau mit einem neuen Putz versehenTechniken wie Reiben, Kratzen oder Modellieren erfordern etwas Übung, damit die Struktur gleichmäßig wird
mineralische Putze können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben und so zu einem ausgeglichenen Raumklima beitragenje nach Produkt sind bestimmte Strukturputze nicht für dauerhaft feuchte Räume oder Bereiche mit hoher Wasserbelastung geeignet

Wie bereitet man den Untergrund für Strukturputz richtig vor?

Die Wand muss fest, trocken, sauber und tragfähig sein. Ob der Untergrund diese Voraussetzungen erfüllt, lässt sich unter anderem mit einem Gitterschnitt-Test überprüfen. Alte Tapeten, lose Farbreste und bröckelnder Altputz sollten Sie im Vorfeld der Arbeiten vollständig entfernen, Risse und Löcher mit geeigneter Spachtelmasse ausbessern und komplett trocknen lassen. Stark saugende oder sandende Untergründe behandeln Sie vor dem Verputzen mit einer Grundierung.

WAS IST DER GITTERSCHNITT-TEST?
Ritzen Sie mit einem Cuttermesser ein Gittermuster in die Oberfläche, drücken Sie einen Streifen Klebeband darauf und ziehen Sie ihn ab. Lösen sich dabei Teile des Untergrunds, ist die Wand nicht tragfähig und muss weiter vorbereitet werden.


Welche Grundierung braucht man für Strukturputz?

Auf stark saugenden Untergründen wie Porenbeton oder altem Kalkputz empfiehlt sich ein Tiefgrund, der in die Poren eindringt und diese verfestigt. Er muss allerdings auf den Untergrund und das Putzsystem abgestimmt sein. Die Grundierung gleicht unterschiedliches Saugverhalten des Untergrunds aus und verbessert die Haftung des Strukturputzes. Auf glatten, kaum saugenden Flächen wie Beton sorgt dagegen ein Haftgrund (Putzgrund) mit sandiger Körnung dafür, dass der Putz Halt findet. Bei farbigen Strukturputzen ist eine getönte Grundierung sinnvoll, damit der helle Unterputz nicht durch die Rillen und Vertiefungen der Struktur durchschimmert. Zwischen Grundierung und Putzauftrag sollten die im technischen Merkblatt angegebene Trocknungszeit liegen, im Durchschnitt sind das 24 Stunden. 

ich weiß, es sind schon einige tabellen etc drin; aber bei dem absatz lohnt sich eine tabelle denke ich, nur als idee; bezieht sich übrigens auf den asbatz darüber

Welche Werkzeuge braucht man zum Auftragen von Strukturputz?

  • Edelstahlglätter oder Traufel zum flächigen Auftragen des Putzes
  • Maurerkelle zum Aufnehmen und Portionieren des Putzmaterials
  • Reibebrett (Kunststoff, Holz oder Moosgummi) zum Strukturieren von Reibeputz
  • Nagelbrett oder Edelputzkratzer für Kratzputz
  • Malerwalze (Kurzflor oder Strukturwalze) für Rollputz
  • Bohrmaschine mit Rührquirl zum Anmischen von Trockenmörtel
  • Abklebeband und Abdeckfolie zum Schützen angrenzender Flächen
  • Eimer, Schwamm und Sprühflasche für Reinigung und Nacharbeiten

Wie trägt man Strukturputz richtig auf? [Schritt-für-Schritt-Anleitung]

  1. Untergrund vorbereiten: alte Beschichtungen entfernen; Risse und Löcher spachteln; Oberfläche reinigen und trocknen lassen
  2. Grundierung auftragen: passenden Tiefen- oder Haftgrund gleichmäßig mit Rolle oder Quast aufbringen und mindestens 24 Stunden trocknen lassen
  3. angrenzende Flächen abkleben: Fensterrahmen, Türzargen, Fußleisten und Deckenübergänge sauber mit Malerkrepp und Folie schützen
  4. Putz anrühren: Trockenmörtel gemäß Herstellerangaben mit Wasser anmischen; nur so viel Putz anrühren, wie innerhalb von 15 bis 30 Minuten verarbeitet werden kann; Fertigputze aus dem Eimer einmal gründlich durchrühren
  5. Putz auftragen: Material mit der Kelle auf den Edelstahlglätter geben und in gleichmäßiger Schichtdicke (Kornstärke) von unten nach oben auf die Wand aufziehen; bahnenweise arbeiten und Übergänge nass in nass verbinden
  6. Struktur einarbeiten: solange der Putz noch feucht ist, mit dem gewählten Werkzeug (Reibebrett, Rolle, Bürste, Schwamm) die gewünschte Struktur erzeugen; das Zeitfenster liegt bei etwa 15 bis 30 Minuten nach dem Auftragen
  7. trocknen lassen: Putz ungestört trocknen lassen; direkte Sonneneinstrahlung und Durchzug vermeiden
SCHON GEWUSST
Arbeiten Sie bei Innenräumen immer eine komplette Wand in einem Durchgang fertig. Setzen Sie den Putz nicht mitten auf einer Fläche ab, da sonst sichtbare Ansätze entstehen, die sich später kaum kaschieren lassen.

Wie gestaltet man Muster und Strukturen im Putz?

Beim Gestalten von Mustern und Strukturen im Putz ist vor allem das Timing wichtig, um ein gutes Endergebnis zu erhalten. Denn die Strukturierung erfolgt, solange der Putz noch feucht, aber bereits leicht angezogen ist. Ist der Putz zu nass, verfließt das Muster. Ist er zu trocken, lässt er sich nicht mehr bearbeiten. Für gleichmäßige Muster empfiehlt sich außerdem ein immer gleicher Bewegungsablauf. Kreisende Reibebewegungen erzeugen den klassischen Wurmputz, waagerechte Züge einen gerichteten Rillenputz. Freie Muster wie Kellenputz oder Tupftechnik leben dagegen von einer bewusst unregelmäßigen Bewegung. Mischen Sie die Techniken innerhalb einer Fläche möglichst nicht, da sonst das Gesamtbild unharmonisch wirkt.

Wie verarbeitet man Reibeputz richtig?

Untergrund und Vorbereitung

  • Der Untergrund muss sauber, trocken und frei von losen Teilen sein.
  • Tragen Sie einen Putzgrund auf. Dieser gleicht das Saugverhalten des Untergrunds aus und sorgt dafür, dass das Korn beim Aufziehen nicht wegrutscht.
  • Tönen Sie die Grundierung am besten im Farbton des Reibeputzes ein, damit der Untergrund in den Rillen später nicht weiß oder grau durchscheint.

2. Aufziehen

  • Verwenden Sie eine saubere Edelstahltraufel (Glättkelle).
  • Schichtdicke: Setzen Sie die Traufel in einem leichten Winkel an und ziehen Sie den Putz stramm aufKornstärke ab. Wenn Sie spüren, wie das Korn an der Traufel kratzt, dann stimmt die Dicke.
  • Arbeiten Sie bei größeren Flächen am besten zu zweit.

3. Strukturieren

  • Drücken Sie vorsichtig mit der Kuppe des Zeigefingers auf den Putz. Wenn kein Material mehr am Finger kleben bleibt, aber die Fläche noch plastisch ist, ist der ideale Zeitpunkt erreicht.
  • Bei Zugluft, starker Sonneneinstrahlung oder hohen Temperaturen trocknet der Putz extrem schnell an. Arbeiten Sie vor allem an Fassaden immer nach dem Schattenseiten-Prinzip.
WAS IST DAS SCHATTENSEITEN-PRINZIP?
Das Schattenseiten-Prinzip bezeichnet beim Verputzen oder Streichen von Außenfassaden das Arbeiten im Schatten der wandernden Sonne. Dabei folgt der Handwerker dem Sonnenverlauf um das Gebäude herum oder schützt die Arbeitsfläche durch Gerüstplanen vor direkter Sonneneinstrahlung. Dies verhindert ein zu schnelles Trocknen des Putzes, sodass keine unschönen Ansätze, Flecken oder Spannungsrisse im Oberputz entstehen.

4. Reibetechnik & Rillenmuster

  • Für den Münchner Rauputz führen Sie das Reibebrett in kreisenden, vertikalen oder horizontalen Bewegungen. Das Führungskorn zieht die typischen Rillen.
  • Bei der Vollputz-Optik erzeugen Sie mit sehr engen, gleichmäßigen Kreisbewegungen eine geschlossene, kornartige Struktur.

Wie verarbeitet man Rollputz richtig?

Rollputz lässt sich grundsätzlich ähnlich wie Reibeputz auftragen, fühlt sich bei der Verarbeitung durch seine cremigere Konsistenz aber etwas anders an. Damit das Ergebnis gleichmäßig wird, sollte die Wand sauber, trocken und möglichst glatt sein. Kleine Löcher und Unebenheiten werden deshalb vorher verspachtelt. Anschließend wird ein Putzgrund aufgetragen, der für den nötigen Halt sorgt. Ein normaler Tiefengrund ist dafür meist zu glatt, sodass die Rolle beim Auftragen leichter abrutschen kann. Bevor es losgeht, wird der Rollputz gründlich durchgerührt. So verteilt sich das Strukturkorn gleichmäßig im Material. Anschließend tragen Sie den Putz mit einer Kurzflor- oder Putzwalze satt im Kreuzgang auf, also einmal senkrecht und anschließend waagerecht. Die Schicht sollte dabei dick genug sein, damit sich das Korn gut verteilt. Anders als beim Reibeputz wird die Oberfläche direkt im feuchten Zustand strukturiert, wofür Sie mit einer Struktur- oder Lammfellrolle, einer Bürste oder einem Pinsel einfach ohne zusätzliches Material über den Putz gehen. 

Rollputz zieht relativ schnell an, deshalb sollten Sie Abschnitt für Abschnitt und möglichst nass in nass arbeiten, um sichtbare Übergänge zu vermeiden. Auch das Klebeband an Kanten und Fußleisten wird am besten entfernt, solange der Putz noch feucht ist. Wird er erst hart, können beim Abziehen unschöne Ausbrüche entstehen. Und weil beim Rollen durchaus etwas Material spritzen kann, sollten Böden und angrenzende Flächen vorher gut abgedeckt werden.



Diese Fehler sollten Sie beim Auftragen von Strukturputz vermeiden

  • Grundierung weglassen
  • zu viel Material auf einmal anrühren
  • Putz zu dick oder zu dünn auftragen
  • zu spät strukturieren
  • bei extremen Temperaturen arbeiten

Typische Ursachen für Flecken, Risse und ungleichmäßige Strukturen im Putz

Problemhäufige UrsachenSo beugen Sie vor bzw. bessern nach
fleckiger Strukturputz
  • ungleich saugender Untergrund
  • fehlende oder ungeeignete Grundierung
  • unterschiedliche Schichtdicken, Ansätze oder Farbchargen
Untergrund auf Saugverhalten prüfen und passend grundieren. Material aus mehreren Gebinden vorab mischen, gleichmäßig auftragen und zusammenhängende Flächen ohne Pause bearbeiten.
Risse im Strukturputz
  • zu dicke Putzschicht
  • zu schnelle Trocknung durch Sonne oder Zugluft
  • zu feuchter oder spannungsreicher Untergrund
  • Bewegungen an Fugen und Materialwechseln
Vorgesehene Schichtdicke einhalten und nicht bei Zugluft, direkter Sonne oder starker Wärme arbeiten. Wiederkehrende oder breite Risse zuerst fachgerecht sanieren, statt sie nur zu überdecken.
ungleichmäßige Struktur
  • unterschiedlicher Druck
  • wechselnde Werkzeugführung
  • zu wenig oder zu viel Material
  • nachträgliches Bearbeiten bereits angezogener Bereiche
Mit gleichbleibendem Werkzeug, Druck und Bewegungsablauf arbeiten. Größere Flächen abschnittsweise „nass in nass“ strukturieren und möglichst mit zwei Personen arbeiten.
sichtbare Ansätze
  • Arbeitsunterbrechungen
  • angetrocknete Randbereiche
  • zu große Flächen
Arbeitsbereiche vorher planen und an Ecken, Kanten oder Laibungen unterbrechen. Material und Werkzeuge bereitlegen und bei großen Flächen zu zweit arbeiten, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden.
Abplatzungen oder Hohlstellen
  • nicht tragfähiger, staubiger, feuchter oder verschmutzter Untergrund
  • fehlende Haftgrundierung
Lose Schichten entfernen, Feuchteursache beseitigen und den Untergrund tragfähig vorbereiten. Anschließend einen zum Putzsystem passenden Haftgrund verwenden.

Wie lange muss Strukturputz trocknen?

Pro Millimeter Putzdicke ist bei Strukturputz ein Tag Trocknungszeit einzuplanen, immer abhängig von den Herstellerangaben. Bei dünnschichtigem Rollputz mit ein bis zwei Millimetern Stärke beträgt die Trocknungszeit demnach ein bis zwei Tage. Reibeputz in Kornstärke mit zwei bis vier Millimetern und Kratzputz mit Schichtdicken von bis zu 20 Millimetern brauchen durch ihre Dicke nach dem Strukturieren am längsten, um vollständig zu trocknen. 

Was sind die idealen Trocknungsbedingungen für Strukturputz?

Ideale Trocknungsbedingungen für Innenputz liegen in der Regel bei einer Raumtemperatur zwischen 15 und 20 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit unter 65 Prozent. Regelmäßiges Stoßlüften beschleunigt den Abtransport der Feuchtigkeit. Vermeiden Sie jedoch Zugluft und den Einsatz von Heizlüftern in unmittelbarer Wandnähe, da schockartiges Trocknen Risse verursacht. Bevor gestrichen oder tapeziert wird, sollte der Putz vollständig durchgetrocknet sein.

Kann man Strukturputz selbst auftragen oder sollte man einen Fachbetrieb beauftragen?

Rollputz und Streichputz lassen sich auch von handwerklich weniger erfahrenen Personen gut verarbeiten. Die Arbeit mit Walze oder Pinsel ähnelt dem Streichen und verzeiht kleine Ungenauigkeiten, hinzu kommt, dass Fertigputze aus dem Eimer den Einstieg dadurch erleichtern, dass das Anmischen entfällt. Bei Reibeputz allerdings steigt der Anspruch, denn die gleichmäßige Strukturierung auf größeren Flächen erfordert Übung und ein gutes Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Ansätze und Druckunterschiede bleiben dauerhaft sichtbar. Kratzputz sollte grundsätzlich ein Fachbetrieb übernehmen. Die hohe Schichtdicke, das exakte Timing beim Kratzen und die gleichmäßige Verarbeitung großer Flächen setzen Erfahrung voraus. Auch bei Fassadenarbeiten empfiehlt sich ein Maler- oder Stuckateurbetrieb, da so neben der Verarbeitung auch Fragen zum Untergrund, zur Systemverträglichkeit und zum Gerüstaufbau professionell gelöst werden.

Was kostet Strukturputz pro Quadratmeter?

Für dekorativen Strukturputz an Fassaden fallen 30 bis 95 Euro pro Quadratmeter an. Zu den Kosten für das Verputzen können Gerüst und Untergrundvorbereitung gesondert anfallen. Die Kosten hängen dabei von der gewählten Putzart, der Verarbeitungstechnik und davon ab, ob die Arbeit in Eigenregie oder durch einen Fachbetrieb erfolgt. Im Innenbereich liegen die Gesamtkosten für Strukturputz inklusive Material und Arbeitslohn bei etwa 35 bis 70 Euro pro Quadratmeter. 

Wie viel Strukturputz brauche ich pro Quadratmeter? 

Der Verbrauch hängt stark davon ab, ob Sie gebrauchsfertigen Roll- und Kunstharzputz aus dem Eimer verarbeiten oder mineralischen Reibeputz beziehungsweise Scheibenputz aus dem Sack aufziehen. Die entscheidende Rolle für den Materialbedarf spielen dabei die Korngröße und dieSchichtdicke. 

gebrauchsfertiger Rollputz/Streichputz (Eimerware)

  • feine Körnung (0,5–1,0 mm): ca. 0,8 bis 1,5 kg/m²
  • mittlere Körnung (1,5–2,0 mm): ca. 1,5 bis 2,5 kg/m²

klassischer Reibeputz/Scheibenputz (Sackware, trocken)

  • 1,5 mm Körnung: ca. 2,0 bis 2,5 kg/m²
  • 2,0 mm Körnung: ca. 2,8 bis 3,2 kg/m²
  • 3,0 mm Körnung:ca. 3,8 bis 4,5 kg/m²

Welche Faktoren beeinflussen die Kosten von Strukturputz?

  • Putzart
  • Materialqualität
  • Körnung
  • Schichtdicke
  • Zustand des Untergrunds
  • Flächengröße
  • Gerüst bei Fassadenarbeiten
  • regionale Preisunterschiede

Strukturputz auftragen: Kann ich das von der Steuer absetzen? 

Wer Strukturputz von einem Fachbetrieb ausführen lässt, kann die Arbeitskosten unter bestimmten Voraussetzungen nach § 35a Abs. 3 EStG steuerlich geltend machen. Aktuell werden 20 Prozent der begünstigten Arbeitskosten direkt von der Einkommensteuer abgezogen, maximal 1.200 Euro pro Jahr. Die Materialkosten sind davon ausgenommen. [2]Damit der Steuerbonus greift, müssen die Arbeiten in einem begünstigten Privathaushalt ausgeführt werden. Auf der Rechnung sollten Arbeits- und Materialkosten getrennt ausgewiesen sein, außerdem muss die Rechnung per Überweisung bezahlt werden, denn Barzahlungen erkennt das Finanzamt nicht an. Der Steuervorteil gilt grundsätzlich sowohl für Eigentümer als auch für Mieter, sofern sie Auftraggeber der Handwerkerleistung sind. Ab 2027 ist allerdings eine Änderung geplant und der Steuervorteil soll auf 15 Prozent sinken. Das bedeutet, auch der jährliche Höchstbetrag wird auf 900 Euro reduziert. [3] 


Dipl.-Ing. Antje Hannig, Geschäftsführerin für Marketing und Technik beim Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM)

ÜBER UNSERE PUTZ-EXPERTIN

Dipl.-Ing. Antje Hannig ist Geschäftsführerin für Marketing und Technik beim Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM). Der VDPM vertritt Hersteller aus den Bereichen Wärmedämmung, Putz und Mörtel und setzt sich für die fachliche, technische und politische Interessenvertretung der Branche ein.

Bildrechte: Dipl.-Ing. Antje Hannig/VDPM


Diese 5  Dinge sollten Sie beachten:

  1. Kaufen Sie genügend Putz derselben Produktions-Charge, damit die fertige Fläche keine sichtbaren Farbunterschiede aufweist.
  2. Bewahren Sie einen ungeöffneten Rest des Originalprodukts gemäß Herstellerangabe auf, um spätere Schadstellen mit exakt demselben Farbton und derselben Körnung ausbessern zu können.
  3. Beurteilen Sie den endgültigen Farbton erst nach der vollständigen Trocknung, da Strukturputz beim Abbinden deutlich heller wird als im feuchten Zustand.
  4. Schützen Sie frisch verputzte Wände ein paar Wochen lang vor Möbelkontakt, Bohrlöchern und mechanischer Belastung, damit die Putzschicht vollständig aushärten kann.
  5. Dokumentieren Sie bei Fachbetrieb-Aufträgen die Abnahme schriftlich und klären Sie die Gewährleistungsfrist, damit Sie bei nachträglichen Rissen oder Ablösungen abgesichert sind.


Fazit

Mit einem professionell aufgetragenen Strukturputz können Sie Wänden sowohl im Innen- als auch im Außenbereich eine ganz individuelle Optik verleihen. Die Bandbreite reicht dabei von dezentem Rollputz bis zu markanter Kratzputzstruktur. Welche Variante die richtige ist, hängt vom Einsatzort, dem gewünschten Muster und dem eigenen handwerklichen Können ab. Für größere Projekte und anspruchsvolle Techniken lohnt sich aber vor allem bei Kratzputz und anderen schwieriger zu gestaltenden Putzarten die Beauftragung eines Maler- oder Stuckateurbetriebs, der den Untergrund professionell beurteilt und die Voraussetzungen für ein gleichmäßiges Ergebnis schafft.

Strukturputz: Häufig gestellte Fragen

Kann man Strukturputz überstreichen?

Vollständig durchgetrockneter Strukturputz lässt sich mit handelsüblicher Wandfarbe überstreichen, die zum System passt. Vor allem im Außenbereich sowie bei Silikatputz sind Systemverträglichkeit und Grundierung besonders wichtig. Verwenden Sie beim Überstreichen eine Farbrolle mit langem Flor, damit die Farbe auch in die Vertiefungen der Struktur gelangt. 

Eignet sich Strukturputz für das Badezimmer?

In Spritzwasserbereichen, also in der Nähe der Dusche oder Badewanne ist Strukturputz allein nicht ausreichend, da die raue Oberfläche Feuchtigkeit aufnimmt. Außerhalb direkter Nassbelastung, etwa an der Wand gegenüber der Dusche, funktionieren feuchtigkeitsregulierende Kalkputze oder spezielle Feuchtraumputze gut. Zusätzlicher Schutz durch eine wasserabweisende Versiegelung ist empfehlenswert.

Wie lässt sich alter Strukturputz entfernen?

Dünner Rollputz kann oft mit Wasser eingeweicht und mit einem breiten Spachtel abgestoßen werden. Wenn Sie dickeren Putz entfernen möchten, zum Beispiel Reibeputz oder Kratzputz, dann erfordert das mehr Aufwand. Hier müssen Sie in der Regel mit einer Putzfräse oder einem Stemmhammer arbeiten. 

Kann ich Strukturputz auf eine Tapete auftragen?

Tapete bietet keinen ausreichend tragfähigen Untergrund für einen Strukturputz. Hinzu kommt, dass die Feuchtigkeit des Putzes den Kleister anlösen kann. Entfernen Sie bestehende Tapeten daher am besten immer gründlich, bevor Sie Strukturputz auftragen.

Quellen

[1] „Blauer Engel, umweltfreundlich, Wandfarben, gesundheitsverträglich“. Blauer Engel, www.blauer-engel.de/de/produktwelt/wandfarben-innen. Zugegriffen 31. August 2026.

[2] „Steuerbonus für Handwerkerleistungen“. Zdh.de, www.zdh.de/presse/publikationen/info-flyer/steuerbonus-fuer-handwerkerleistungen/. Zugegriffen 31. August 2026.

[3] Schöfer, Benjamin. „Gesetz zur Einkommensteuerreform 2027: Tarifkosmetik statt echter Mittelstandsimpuls“. Mittelstandsbund.de, Deutscher Mittelstands-Bund (DMB) e.V., 18. August 2026, www.mittelstandsbund.de/kompetenzbereiche/finanzen/beitrag/gesetz-zur-einkommensteuerreform-2027-tarifkosmetik-statt-echter-mittelstandsimpuls. Zugegriffen am 2. September 2026.

Über unsere*n Autor*in
Simone Blaß
Simone Blaß ist ausgebildete Journalistin mit über 30 Jahren Berufserfahrung und langjähriger Spezialisierung auf Bau-, Renovierungs- und Handwerksthemen. Als Senior Online-Redakteurin bei Maler.org, einem spezialisierten Online-Fachportal rund um das Malerhandwerk, berichtet sie fundiert über moderne Oberflächengestaltung. Das umfasst die energetische Fassadendämmung genauso wie Schimmelsanierung und Innenraumgestaltung. Ihre Inhalte verbinden journalistische Sorgfalt mit eigener Praxiserfahrung aus der Sanierung zweier Reihenhäuser. Durch regelmäßige Interviews mit Fachbetrieben und Branchenexperten stellt sie sicher, dass ihre Beiträge fachlich fundiert, verständlich und direkt anwendbar sind.